Die menschliche Software – symptom & sense: Kurzseminar: Wie man einen Fall löst: Krankheitsmotiv + Arzneimittel – lachesis.

video lachesis 28

http://youtu.be/aDBpqvBVbt4

Diesmal geht es um einen gelösten Fall, lachesis, der zeigt, wie weit entfernt von jeder Zufälligkeit, das zentrale Motiv des inneren Widerspruchs, den jede Krankheit darstellt, erfasst wird.

Der Körper ist, davon gehe ich aus, ein informatisches System. Symptome sind emotionale Reaktionen und daher genauso unkontrollierbar wie es die emotionalen Reaktionen der Gemütsebene sind.   Das bedeutet, unsere Willensfreiheit   ist unseren emotionalen Reaktionen unterstellt. Wir können ihren Ausbruch nicht verhindern, wir haben aber die Freiheit, Vorkehrungen gegen sie zu treffen. Damit meine ich, die auslösenden Reizsituationen zu vermeiden.

Ist nun aber eine emotionale Reaktion erfolgt, offenbart sie sich in einem Symptom, das den konkreten Inhalt dieser Emotion zum Ausdruck bringt.  Jede Körperlokalisation ist demnach bedeutungsbelegt, z. B. der Kopf ist dem Thema Geltung, die Arme, dem Thema Handlungsfreiheit unterstellt. Genau diese Themen sind berührt, wenn der Kopf oder die Arme mit Krankheitssymptomen reagieren.

Gerade wegen dieses Zusammenhangs von auslösendem Reiz und emotionaler Reaktion, der Anspruch auf Handlungsfreiheit trifft auf die Handlungsfreiheit einschränkende Bedingungen, ist jedes Symptom Ausdruck einer inneren Dynamik.   Die Reaktion auf die Einschränkung kann nämlich offensiv oder eben defensiv sein. In der Gesamtschau einer Krankheitssymptomatik, die ja aus mehreren Symptomen besteht, begegnen sich offensive und defensive Momente dieser Art. Wenn sie dies im Rahmen eines Themas tun, zum Beispiel Geltung oder eben Handlungsfreiheit, ergibt sich ein innerer Widerspruch. Zum BeispielHandlungsfreiheit zu wünschen gleichzeitig aber Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

Um diese Widersprüche geht es bei der Software symptom  & sense. Das Programm übernimmt also nicht das Denken, es tut nur das, was Computer besser als Menschen können: es filtert die widersprüchlichen Symptome innerhalb eines Themas heraus,e s sortiert, alles andere bleibt dem Anwender überlassen.

Philipp Zippermayr

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Was die Software symptom & sense – vom Krankheitszeichen zum Krankheitssinn – kann bzw. nicht kann: Artikel 2.

Mängel, Fehler, Strukturprobleme  homöopathischer Repertorien  bzw. Orientierungsprobleme im Repertorium können nicht kompensiert werden:

Der erste Artikel dieser zweiteiligen Serie über die Anwendung der Software, symptom & sense, in der Homöopathie hatte den Titel, Fehler der homöopathischen Erhebung als limitierende Einflüsse bzw. das Organon kann nicht außer Kraft gesetzt werden. Es  ging um die Erhebung eines Falles nach den Regeln S. Hahnemanns.  In diesem Artikel sollen Probleme unseres Repertoriums Gegenstand der Erörterung sein.

Einleitend halte ich fest, die Software symptom & sense ist ein Fortschritt für die Verschreibung des passenden homöopathischen Arzneimittels, sie kann aber die nachfolgend beschriebenen Mängel der Repertorien nicht kompensieren, soll heißen, keine Wunder vollbringen (siehe unten Repertoriumsprobleme).

Wo liegt nun der Fortschritt der Software? Nach Eintrag der fallrelevanten Symptome erstellt das Programm ein oder mehrere komplementäre Symptomenpaare (Paare aus einander widersprechenden Symptomen). Die Reihung der Paarungen (= Hierarchisierung)  folgt einem vorgegebenen Pfad:

Programmseitig wird die Position einer Paarung nach der Keimblattebene, auf der sich ihre Symptome befinden, erstellt. Anwender sehen eine Reihe untereinanderstehender Paarungen. Die zuoberst stehende Paarung muss nicht die wichtigste sein. Entscheidend ist vor allem die dominierende Thematik (das Programm zeigt diese durch Farbzuordnungen an) und das Hauptsymptom, das innerhalb dieser dominierenden Thematik vertreten sein sollte. Das Hauptsymptom hat den Kranken veranlasst, in die Praxis zu kommen. Meist beschreibt seine Botschaft den Kern des Krankheitsthemas.

Die Übersetzung der Bedeutung von Paarungen aus einander widersprechenden Symptomen ist das Resultat meiner Krankheitstheorie, sie lautet:  wenn die Welt aus Energie und Information besteht, haben Symptome Bedeutung. Krankheit kann somit kein materieller Defekt sondern nur ein unlösbarer innerer Widerspruch sein.

Das bedeutet: Krankheit spiegelt sich in einander widersprechenden Symptomen. Aus diesen bildet das Programm komplementäre Symptomenpaare, die die Krankheitsbotschaft enthalten. Eine leicht verständliche Erklärung hierzu bietet das Youtube Video,

der Fall Napoleon  https://www.youtube.com/watch?v=Jg0FtRbj8x8 .

Nutzen für die homöopathische Hierarchisierung: Die Symptome der ranghöchsten komplementären Symptomenpaare werden der Reihe nach zur Repertorisation genutzt. Nun zu den…

Repertoriumsproblemen, die im Rahmen dieser Software nicht kompensiert werden können:

Stellen Sie sich vor, Sie haben einige sichere Krankheitssymptome in Ihrem Krankenblatt stehen und machen sich nun daran, diese in Repertoriumsrubriken zu übersetzen. Woran kann die spätere Auswertung der ausgesuchten Rubriken scheitern, warum erscheint das passende Arzneimittel nicht?

Zwei einfache und logische Gründe sind:

  1. in einer der gewählten Repertoriumsrubriken fehlt das passende homöopathische Arzneimittel, obwohl es dastehen müsste.

Z.B.: das Arzneimittel ist zu „klein“, weil der Arzneimitteltest zu wenig Symptome aufweist: große Mittel (pulsatilla, sepia, sulfur usw,) haben 10 000 -16 000 Symptome, kleine (rumex, syphilinum usw.) unter 2000. Gegen diese großen Arzneimittel haben kleine keine Chance, sich statistisch „durchzusetzen“.

  1. die passende Rubrik wurde nicht gefunden bzw. eine falsche gewählt: limitierte Kenntnis des Repertoriums bzw. macht es einen großen Unterschied, ob man „Gemüt – Erwartungsspannung – Lampenfieber“ (40 Mittel) oder „Gemüt – Angst – Zeit festgesetzt ist; wenn eine“ (24 Mittel) wählt.
  2. Strukturprobleme der Repertorien:

Punkt 1. und 2.  bedürfen keiner näheren Erläuterung. Anders verhält es sich mit

  1. Strukturproblemen der Repertorien:
  2. Sprachprobleme bei der Symptomendarstellung: Verstehen wir die Beschreibung eines Symptoms tatsächlich so, wie sie der Autor, der die Repertoriumsrubrik erstellt hat, verstanden wissen will?

Die Liste der Sprachschwierigkeiten ist im Grunde endlos und betrifft vornehmlich die Gemütssymptome. Sie sind stets die gefährlichsten, weil sich in unserem Sprachverständnis unsere Sensibilität,  das, was uns bewegt, spiegelt. Unbewusst richtet sich daher unsere Aufmerksamkeit auf das, was uns unmittelbar betrifft, was wir als schockierend oder unakzeptabel empfinden. Danach richtet sich die Auswahl der Gemütssymptome:

Zum Beispiel:

  • Natrium arsenicosum ist ein Mittel das manchmal bei Menschen, die von ihren Partnern betrogen worden waren, indiziert ist. Hier ist festzuhalten, dass eine offensichtliche Ursache – hier Betrug – ein zu verschreibendes Mittel nicht anzeigt, da man nicht wissen kann, ob die Reaktionen des Patienten in genau dieser Begrifflichkeiten fußen. Stets besteht für Therapeuten die Gefahr, der eigenen Empfindsamkeit zu folgen. Möglicherweise interpretieren Sie die Reaktion des Patienten in ihrem Sinne und übersehen, dass es nicht um Sie sondern um ihre Patienten geht.

Im allgemeinen ist man sehr rasch geneigt, dem Patienten „logisch“ erscheinende Gemütsbewegungen zu unterstellen. Im Falle von Treuebruch z. B. Entrüstung. Unser obiges Mittel, Natrium arsenicosum, findet sich weder unter Entrüstung noch unter Beschwerden durch Entrüstung dafür aber unter Beschwerden durch Zorn.

Wir können nun über den begrifflichen Unterschied von Zorn über Untreue und Entrüstung über Untreue philosophieren, ein praxistaugliches Ergebnis schaut dabei nicht raus. Dieses Problem ist unlösbar und der Grund, weshalb ich Vorbehalte gegen Gemütssymptome habe.

  • Wie sich begriffliche Probleme ergeben, zeigt sich beim Vergleich zweier Rubriken aus der Riege der Gemütssymptome des Synthesis-Repertoriums 9.1:

 Unternimmt; unternimmt vieles, hält aber nicht durch hat 40 Mittel;

 Ausdauer; hat keine hat 15 Mittel;

Von den Mitteln beider Rubriken decken sich nur 9, sind also in beiden vorhanden. Ich würde erwarten, dass wenigstens in einer der beiden Rubriken alle in Frage kommenden Mittel stehen.

·       Angst kontra Furcht: ich halte die Trennung von Angst- und Furchtrubriken für tückisch. Die Tatsache, dass die beiden Begriffe in der Umgangssprache bedeutungsgleich verwendet werden, sollte in der Praxis mehr zählen als die Tatsache, dass Angst und  Furcht per Definition tatsächlich unterscheidbar sind.

Ein ähnliches Beispiel verwirrender Gebrauchsüblichkeit ergibt sich bei Bewusstlosigkeit und Ohnmacht.

Diese Trennungen sind letztlich kein großes Problem, schlimmer sind die

Probleme außerhalb der eben diskutierten Begrifflichkeit:

  • bedeutungsähnliche Rubriken mit verschiedenen Mitteln: Im Synthesis 9.1. finden wir die beiden Rubriken, Bewusstlosigkeit, partiell, teilweise (15 Mittel) und Bewusstlosigkeit, unvollständig (16 Mittel). Eine Unterscheidung ist hier unmöglich. Das eigentliche Problem dabei ist, die beide Rubriken haben zusammengezogen 29 Mittel, es kommen also in beiden Mittel vor, die nur in der einen Rubrik nicht aber in der anderen stehen.  Ich verwende Synthesis 9.1 und habe in den letzten 15 Jahren (ab Synthesis 7) extrem viele Nachträge gemacht, was die Lage etwas verbessert hat. Z. B. haben bei mir die beiden oben genannten Bewusstlosigkeits-Rubriken jeweils 29 identische Mittel.
  • Verschiedenheiten der Repertorien, z. B. Complete und Synthesis: Meiner Erfahrung nach werden Repertorien wohl ständig ergänzt, summa summarum können Sie aber sicher sein, das gewählte Repertorium und die gewählte Rubrik haben entscheidenden Einfluss auf die Repertorisation und damit die Wahl eines passenden oder unpassenden Mittels, dem auch ich als Entwickler und Kenner der Lage bedauerlicherweise unterliege. Das Programm symptom & sense schlägt Rubriken vor, in welchem Zustand diese sind, ist eine andere Frage.
  1. Problem Spezialsymptome kontra Allgemeinsymptome: Es geht um die natürliche Annahme, dass die Allgemeinrubriken des Repertoriums  alle Mittel der jeweiligen  Spezialrubriken haben.

Im Synthesis-Repertorium 9.1 findet sich im Abschnitt, Kopf, die Rubrik, Kopf, Tumoren, Gehirn, mit 19 Mitteln, im Abschnitt, Allgemeinsymptome, sehen wir die entsprechende Rubrik, Allgemeines, Tumoren, Hirntumor, mit diesmal 26 Mittel. Dabei überrascht, dass nur 7 der insgesamt 38 Mittel identisch sind. Ich meine, es sollten in beiden Rubriken 38 identische Mittel sein. Ich habe das in meinem Repertorium in diesem Sinne korrigiert, gut möglich, dass dies im neueren Synthesis auch der Fall ist. Sehen Sie bitte nach.

Egal, ob Sie jemals symptom & sense verwenden wollen, diese Nachträge an den Allgemeinrubriken sollten Sie für alle wichtigen Modalitäten durchführen. Meine hier referierten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 2009, ich hoffe, dass es inzwischen besser geworden ist, dass Sie also weniger als ich zu tun haben.

  1. Problem ähnlicher Rubriken mit verschiedenen Arzneimitteln:

Haut, Geschwüre, indolente Geschwüre (87 Mittel) und Haut, Geschwüre, schmerzlose Geschwüre (61 Mittel: zusammen 114 Mittel, in beiden Rubriken sind nur 34 gemeinsame zu finden (Synthesis 9.1);

  1. Problem der Zuverlässigkeit der Rubriken des Repertoriums:

Es gibt, und das ist eine unausgesprochene Tatsache, keine einzige verlässliche Rubrik. Haben wir also am Patienten ein auffälliges Symptom, dem auch eine Repertoriumsrubrik entspricht, dürfen wir nicht mal bei großen Rubriken über 100 damit rechnen, dass das zum Patienten passende Mittel in der gewählten Rubrik auch vorhanden ist. Dies ist leider eine natürliche Folge der Tatsache, dass der Körper als informatisches System beliebig viele Erscheinungen (Symptome) produzieren kann.

Dazu kommt noch, dass die Repertorien in sich inhomogen sind. Vergleicht man im Synthesis 9.1 die Rubrik, Allgemeines, Schmerzen, chronisch mit Allgemeines, Schmerz, rheumatisch, chronisch, zeigt sich:.

Allgemeines – Schmerz – rheumatisch – chronisch anthraco. bell. carbn-s. Caust. coli. euon-a. get. ichth. iod. kali-bi. led. lith-c. mag-p. Med. nat-s. petr. phyt. ran-b. rhod. sep. Stel. still. syph. tax. tub-d. vanad.

Allgemeines – Schmerz – chronisch Arn. kreos. Phos. sulph. thlas. thuj. vib.

Die Spezialrubrik (rheumatisch) ist grösser als die Allgemeinrubrik (Schmerz chronisch).

Achtung! Synthesis und Complete haben beide Vor- und Nachteile, sind also in der Summe als ungefähr gleich gut zu bewerten. Ich nutze primär Synthesis, weshalb es hier auch öfter genannt ist. Beide sind in den neueren Varianten auch verbessert, keinesfalls aber frei von Fehlern. Ganz allgemein überkommt einem bei der Arbeit mit Repertorien der Wunsch, sie beim Fenster hinauszuwerfen. Das sollte man jedoch unterlassen, weil wir sogleich hinunterlaufen und sie wieder heraufholen müssten.

Fazit: Das Programm symptom &sense kann sehr wohl die am besten passenden Rubriken zur Repertorisation empfehlen, es kann aber nicht für die unterschiedlichen Resultate verantwortlich gemacht werden! Das gilt auch für mich als Entwickler. Ich verschreibe derzeit auf einem deutlich verbesserten persönlichen Niveau, ich verschreibe aber keinesfalls fehlerfrei und erkläre in diesem Artikel, warum. 

  1. Problem der Qualität der Arzneimitteltests:
  • Problem zu geringer Symptomenanzahl:

In unseren Repertorien finden wir Mittel mit über 10 000 Symptomen und andere mit weniger als 10. Das hat zur Folge, dass sich bei allen Analysen die großen Arzneimittel unangenehm „vordrängen“ während die kleinen in stiller Bescheidenheit untergehen. Es wäre schön, wir bekämen nicht andauernd neue Arzneimittel vorgesetzt sondern aus dem Gesamtbestand des Vorhandenen würden wenigstens die 500 wichtigsten Mittel (natürlich, wer bestimmt die?) zumindest 2000 Symptome haben.

  • Problem einer „schiefen“ Symptomenverteilung:

Von manchen Arzneimitteln des Repertorums finden sich nur Gemütssymptome und Allgemeinsymptome, manche wiederum haben fast keine Gemütssymptome andere wieder nur diese. Meiner Meinung nach sollten Gemütssymptome und Allgemeinsymptome zusammen nicht mehr als 50%  des gesamten Symptomenbestands ausmachen.

Bedenken Sie, das sind nur beliebige Beispiele. Das Repertorium wimmelt von diesen Mängeln und Unregelmäßigkeiten, sie folgen der homöopathischen Repertorisation wie ein Schatten. Ich hab diese Probleme schon mal 2009 (Buch: Krankheit verstehen) veröffentlicht und danach aufgehört, sie im Zuge meiner Arbeit mitzuschreiben.  

Was die Software symptom & sense – vom Krankheitszeichen zum Krankheitssinn – kann bzw. nicht kann:

Artikel 1.: Fehler der homöopathischen Erhebung als limitierende Einflüsse bzw. das Organon kann nicht außer Kraft gesetzt werden:

In beiden Artikeln geht es um die homöopathische Verschreibungstechnik, die mit Hilfe der  Software symptom & sense verbessert wird, und es geht leider auch um die Grenzen, die nicht überschritten werden können.

Bevor ich mit den Ausführungen beginne, gehe ich für jene Leser, die weder meine Arbeit noch ihr jüngstes Resultat, die Software symptom & sense, kennen, kurz auf deren Hintergrund ein.

Ausgehend von der symbolischen Medizin beschäftige ich mich seit etwa 15 Jahren mit der Bedeutung von Symptomen. Ich begann mit Rüdiger Dahlke leitete dann aber die Symptomenbedeutungen aus den homöopathischen Rubriken ab. In den jeweiligen Symptomenrubriken des Repertoriums stehen ja  die Mittel, die im Arzneimitteltest dieses Symptom hervorgerufen haben. Das diesen Mitteln thematisch Gemeinsame muss daher die Bedeutung des Symptoms sein. Dazu muss man aber die Mittel kennen. Diese Arbeit habe ich in der Materia medica der Motive geleistet. Ich hab dieses Analyseverfahren natürlich im Buch „Menschliche Signaturen (2007)“, in Vorträgen und auch einigen Artikeln, der letzte war in der Homöopathie Zeitschrift, Nov. 2013, beschrieben. Sollte Interesse bestehen, bin ich gerne bereit, einen Beitrag über die methodischen Hintergründe zu schreiben (ist natürlich wie auch dieser Artikel ein bisschen umfangreich). Dass die Ergebnisse von mir über Jahre in der Praxis überprüft worden waren und werden, versteht sich von selbst. Summa summarum gehe ich davon aus, dass der Körper über Symptome zu uns spricht, eine Krankheitssymptomatik also eine Erzählung über unsere Befindlichkeit und ihre Gründe ist. Die Software symptom & sense hilft diese Erzählung zu verstehen.  Ein Verständnis der Krankheitsbotschaft nützt daher nicht nur Homöopathen, es kann auch anderen Disziplinen wertvolle Aufschlüsse geben.

Vor kurzer Zeit habe ich mich in diesem Zusammenhang mit dem, was symptom & sense kann oder eben nicht kann, mit der Familienaufstellung und den dabei erscheinenden Interpretationsproblemen befasst, hier nun soll es um die Homöopathie und die Grenzen dessen gehen, was die Software hier leisten kann. Fazit, es handelt es sich nicht nur um spezifische, allein mein Verfahren betreffende sondern um generelle homöopathische Verschreibungsprobleme.

  1. Fehler der homöopathischen Erhebung als limitierende Einflüsse:

Im Grunde handelt es sich um die mangelnde Qualität der Patientenbefragung.

 

Die Software symptom & sense bietet dem homöopathischen Anwender ein verbessertes Hierarchisierungsverfahren. Bei der Hierarchisierung handelt es sich um eine Empfehlung der  Symptomenauswahl für die Repertorisation:  an erster Stelle der traditionellen Hierarchisierung  stehen die Gemütssymptome, es folgen Allgemeinsymptome, Abneigung, Begierden und zuletzt die Lokalsymptome.

Naturgemäß stellt sich nun die Frage, ob die Software mit Hahnemanns Organon, in dem ja das Reglement der Homöopathie im Rahmen von 291 Paragraphen festgelegt ist, vereinbar ist.

  1. Hahnemann geht bei seiner Krankheitstheorie von der Existenz einer Lebenskraft aus. Das ist bei meiner Krankheitstheorie nicht anders, ich betrachte Lebenskraft jedoch als Produkt einer immateriellen Welt, die aus Energie und Information besteht. S. Hahnemann dachte nicht immateriell, allerdings kommt er im § 15 seines Organon dieser Auffassung nahe.
  • 15 bedeutet zusammengefasst, Leib und Seele sind eins.

Der originale Wortlaut des Organon ist etwas verschachtelt, ich gebe ihn hier dennoch wieder.

  • 15 Das Leiden der krankhaft verstimmten, geistartigen, unsern Körper belebenden Dynamis (Lebenskraft) im unsichtbaren Innern und der Inbegriff der von ihr im Organism veranstalteten, äußerlich wahrnehmbaren, das vorhandene Uebel darstellenden Symptome, bilden nämlich ein Ganzes, sind Eins und Dasselbe. Wohl ist der Organism materielles Werkzeug zum Leben, aber ohne Belebung von der instinktartig fühlenden und ordnenden Dynamis so wenig denkbar, als Lebenskraft ohne Organism; folglich machen beide eine Einheit aus, obgleich wir in Gedanken diese Einheit, der leichteren Begreiflichkeit wegen in zwei Begriffe spalten.

Ich stimme dem naturgemäß zu, gehe hingegen der theoretischen Physik folgend einen radikalen Schritt weiter: es gibt keine Materie, die aus festen Teilchen besteht (nach Brian GREENE, er ist Physiker und Professor an der Columbia Universität in New York, Buch, Das elegante Universum, BTV-Verlag St. 176):  B. Greene meint, dass das Wort Teilchen nur der historischen Tradition folgt – ich zitiere wörtlich – dass Teilchen nur wie Elementarteilchen erscheinen, tatsächlich aber winzige schwingende Strings sind.

Alles, was schwingt, trägt Information und braucht eine energetische Quelle. Dies ist der Grund, warum ich  die beiden Begriffen, Energie und Information, verwende und warum ich sie dem Wandel der Zeit folgend an die Stelle von Lebenskraft (§ 148) setze (siehe dazu meine Homepage zippermayr-homoeopathie: Jenseits der Messbarkeit: die Philosophie von symptom & sense).

Ob also symptom & sense Hahnemanns Paragraphen folgt, liegt in der Hand des Anwenders und nicht in der Software. Eine Ausnahme ist vielleicht § 153. Dabei handelt es sich um Probleme, die sich bei der Fallaufnahme ergeben und vor allem die Objektivität des Untersuchers betreffen:

  • Problem der Auffindung geeigneter Symptome für die Repertorisation: ich beginne mit dem oben erwähnten 153. Er lautet: zur Findung der Arznei fasse man die auffälligen, sonderlichen, ungewöhnlichen und charakteristischen Zeichen und Symptome ins Auge. Diese Empfehlung leidet unter der Tatsache, dass jeder getreu seiner Persönlichkeit etwas anderes als ungewöhnlich bewerten wird. Es ist eine Folge des Umstands, dass das miteinander Kommunizieren der Menschen auf subjektivierenden Mechanismen beruht. Wir versetzen uns stets in den anderen hinein. Unsere Wahrnehmung und die daraus entspringenden Emotionen bestimmen unsere Schlussfolgerungen.

Die Software symptom & sense wurde bei ihrer Entwicklung von der Absicht getragen, den Therapeuten „aus dem Patienten möglichst herauszuhalten“, also zu vermeiden, dass er sich durch seine unvermeidlich subjektive, von eigenen Erfahrungen ausgehende Wahrnehmung  in ihm spiegelt.

Genau aus diesem Grund sehe ich bei mindestens der Hälfte der Gemütssymptome als problematisch an. Sehr vieles unterliegt hier einem interpretierenden Sprachgebrauch. Dies gilt naturgemäß nicht für alle.

Ängste vor Hunden, Höhe usw. sind eindeutig als solche festzumachen (allerdings gilt auch hier die Einschränkung, soweit es auch kleinere Hunde, niedrigere Höhen usw. betrifft! Wo beginnt „kleinere“ oder „niedrigere“?). Ob jemand zurückhaltend oder grob ist, unterliegt der persönlichen Einschätzung und diese wiederum der Persönlichkeit der oder des Einschätzenden. Selbst bei Liebeskummer ist es nicht sicher, ob es Eifersucht, verletzter Stolz oder anderes ist, usw..

  1. Hahnemann meint im § 211 des Organon, in dem er auf die Kriterien der Arzneiwahl eingeht, dass hier primär Gemütszustände, also Gemütssymptome, ausschlaggebend seien. Das meine ich auch, aber die Symptome müssen frei von interpretierenden Einschätzungen des Untersuchers sein. Deshalb bevorzugt die Software symptom & sense diejenigen Gemütssymptome, die nicht interpretiert werden müssen, und naturgemäß die Körpersymptome, die sehr viel weniger den Gefahren einer unterstellenden Interpretation ausgesetzt sind.

Das ist bei Symptomenmangel nicht durchzuhalten. Es gibt Fälle, Hahnemann bezeichnet sie als einseitig, da muss man auch im obigen Sinn „gefährliche“ Gemütssymptome verwenden, sollte das aber wissen. Bei symptom & sense sind gefährliche  Gemütssymptome zuerst vom Anwender als sicher zu qualifizieren, ehe sie ganz normal in die Auswertung übernommen werden.

  • Problem der Hierarchisierung von Symptomen: Hier wartet symptom & sense mit einem Fortschritt auf. Ich hatte oben bereits die traditionelle Reihung – Gemütssymptome bis Lokalsymptome – erwähnt. Die Software wertet jedoch nicht einzelne Symptome sondern Symptomenpaare aus. Bei der Paarbildung folgt sie meiner Das heißt, wenn Symptome eine Bedeutung haben, gehe ich davon aus, dass Krankheit ein unlösbarer Widerspruch ist. Somit ist der Sprache der Symptome eine Widerspruchsgrammatik zugrunde gelegt.

Ich verweise hier auf mein Youtube Video, der Fall Napoleon:

https://www.youtube.com/watch?v=Ik3TUYgb9xI

Wenn also chronische Krankheiten Folge innerer innerer Widersprüche sind, müssen sich diese Widersprüche in widersprüchlichen Symptomen spiegeln.  Jede Auswertung sollte üblicherweise mehrere Symptomenpaare dieser Art ergeben.

Die Reihung der Paare erfolgt bei symptom & sense den Keimblattebenen. Der Schweregrad eines Symptoms ist somit durch das Keimblatt, auf dem es sich befindet, bestimmt. Das sind der Reihe nach Ekto-, Endo- und Mesoderm, dann folgt das ZNS und zuletzt die Zelle selbst. Die miasmatische Reihung im Hahnemannschen Sinn – 1. Psora, 2. Sykose, 3. Syphilinie – erfolgt erst auf der jeweiligen Keimblattebene.

Die Idee zu dieser Reihung stammt nicht von mir sondern von dem indischen Homöopathen

  1. Vijayakar. Auch er beschränkt sich auf drei Miasmen. Bei der Differenzierung nach psorisch, sykotisch oder syphilitisch folge ich jedoch nur bedingt der Tradition Hahnemanns oder Allens , indem ich die psychischen Aspekten der Miasmen für die Zuordnung verwende.

Psora repräsentiert dabei im Wesentlichen das Anspruchsdenken, Sykose die Hinnahme abgelehnter sozialer Pflichten und Syphilinie die Frage, mit welchen Mitteln man sich soziale Präsenz verschafft.

Wenn Krankheit ein unlösbarer Widerspruch ist, könnte man Hahnemanns Miasmenbegriff durch diese Widersprüchlichkeit ersetzen und festlegen, ob sie psorische,  sykotische oder syphilitische Züge trägt.

Diese Form der Symptomenreihung nach Schwere ist also nicht beliebig. Sie hilft, schwere und leichte Fälle nicht über einen Kamm zu scheren, folgt somit § 165, in dem Hahnemann sagt, mit banalen Symptomenübereinstimmungen kann man keinen Kurerfolg erwarten. Es geht also darum, dass man schwere Fälle nicht auf der Stufe banaler Symptome verstehen und heilen kann.

  • Problem der Fallaufnahme: Hier gelten alle Regeln S. Hahnemanns, z. B.: alles nur Vermutete ist auszuschließen (§ 144). Das gilt nicht nur für die Arzneimittelprüfung sondern auch für die Befragung:

mit der Gewissenhaftigkeit der Fallaufnahme steht und fällt die Qualität der homöopathischen Analyse (§ 99: die Befragung braucht große Erfahrung und Geduld).

Dies alles gilt auch für die Software, symptom & sense. Die mit ihr erzielten Ergebnisse werden in ihrer Qualität durch einen oberflächlichen Anwender auf die Oberfläche des Beschwerdebildes verlagert. Allerdings, das Programm zeigt Unschärfen auf. Das Resultat wird in der Auswertung meist als nicht eindeutig angezeigt, sie “flimmert“.

Werden also wichtige Symptome und kausale Zusammenhänge übersehen oder falsch interpretiert, kann das Ergebnis der Computerauswertung diese Vorgangsweise nicht korrigieren.

  • Problem der Symptomensicherheit: Die Symptome müssen sicher sein. Das ist eine zentrale Schwierigkeit, die nicht nur die interpretationslastigen Gemütssymptome sondern auch die Körpersymptome und hier vor allem ihre Modalitäten betrifft. Bei schwammiger Auskunftslage – meist liegt das nicht am Therapeuten – kommt auch die Softwareanalyse ins Schwimmen.

Seien Sie achtsam z.B. bei Begriffen wie plötzlich. Natürlich kann es sein, dass eine Beschwerde plötzlich erscheint. Wenn sie sogar noch plötzlich verschwindet, ist der Begriff doppelt abgesichert und zu verwenden. Wichtiger aber noch ist die Frage, ab welchem Ereignis begann die Beschwerde „plötzlich“ zu erscheinen. Dann ist nämlich das besagte Ereignis kausal und die Beschwerde auf dieses zu beziehen.

Einige weitere Beispiele dieser Art sind: man darf den Vorgang des Hinlegens nicht mit Liegen verwechseln, es macht einen Unterschied, ob sich ein Symptom nur beim Hinlegen oder im Liegen verschlimmert, umgekehrt ist es nicht das Gleiche, ob sich ein Symptom beim Aufrichten, Aufsetzen oder im Sitzen oder Stehen verschlechtert, ebenso ist es nicht das Selbe, ob ein Zustand beim Erwachen nachts oder Erwachen morgens schlimmer ist.

All diese Einflüsse sind in S. Hahnemanns Organon beschrieben. Im nächsten Artikel wird es um die Mängel des Repertoriums gehen, die ebenfalls limitierenden Einfluss auf jede Form der homöopathischen Analyse, also auch der Software symptom & sense haben. Allerdings, wenn man bei der Fallaufnahme mit Hilfe der Paragraphen  S. Hahnemanns über persönlichen Einsatz, Gewissenhaftigkeit noch positiven Einfluss auf das Resultat nehmen kann, ist dies beim Repertorium  leider nur mehr bedingt möglich.

Artikel  2. Mängel, Fehler, Strukturprobleme  homöopathischer Repertorien  bzw. Orientierungsprobleme im Repertorium können nicht kompensiert werden:

Die menschliche Software – der Fall Napoleon

Ich beschäftige mich seit ca 15 Jahren mit der Sprache der Symptome. Mit Hilfe der 2014 fertiggestellten Software symptom & sense ist nun eine computergestützte Analyse der Krankheitsbotschaft möglich. Wie dies geht, zeige ich im Video, Der Fall Napoleon… oder welche emotionale Grundhaltung ist nötig, um ein glorreicher Feldherr zu werden.

Napoleon ist so berühmt, dass man auch viele seiner Krankheitssymptome kennt. Einige davon, die mir sicher erschienen, habe ich in meine Software eingegeben. Meine Absicht dabei ist nicht nur eine Erklärung der Vorgangsweise anhand eines möglichst objektiven Fallbeispiels, ich möchte auch die Präzision, mit der die Computeranalyse Napoleons Realität erfasst, demonstrieren.

In der Auswertung zeigte sich, dass nur Napoleons Akutsymptome – das sind seine Symptome unter dem Stress einer bevorstehenden Schlacht  – ausreichend gut dokumentiert sind, um ein Analyseresultat zu erbringen.  Gemäß meiner These, das Krankheiten Ausdruck eines unlösbaren inneren Widerspruch sind, war sogleich klar, dass er einerseits den Wunsch hatte, die bevorstehende Entscheidung zu vermeiden, sich andererseits aber nichts mehr wünschte, als genau diese Entscheidung herbeizuführen. Das Problem ist somit unlösbar, weil das eine mit dem anderen nicht vereinbar ist.

Ganz anders die Analyse seiner chronische Magensymptomatik. Es stellte sich heraus, dass die Informationen darüber viel zu spärlich sind,  um den dahinterstehenden Widerspruch zu finden. Man erkennt dies an der Qualität der Computeranalyse: wohl spiegeln seine Akutsymptome den oben genannten Zwiespalt,  das einzige halbwegs sichere chronische Symptom, Magenschmerz besser durch Druck, scheint in der Auswertung nicht auf. Das bedeutet, es findet sich kein dynamisch gegensätzliches Symptom, das einen inneren Widerspruch anzeigt. In dieser Situation müssten weitere Symptome so lange erhoben werden, bis der Widerspruch, der zwangsläufig vorhanden sein muss, erscheint. Das ist illusorisch, Napoleon steht nicht mehr zur Verfügung und im Internet ist es mir leider nicht gelungen.

Fazit: auf Basis der bekannten Symptome Napoleons wäre nur eine Akuttherapie möglich:

Siehe dazu das Video: Der Fall Napoleon… oder welche emotionale Grundhaltung ist nötig, um ein glorreicher Feldherr zu werden:

Das Video zeigt, was und warum das Programm diese Botschaften entschlüsseln kann.

In den nächsten Tagen werde ich im Rahmen von zwei Artikeln darlegen, wo bei einer Anwendung in der Homöopathie die Grenzen des Programms symptom & sense liegen. Der erste bezieht sich auf S. Hahnemanns Organon, dessen Regeln nicht außer Kraft gesetzt werden können. Der zweite Artikel ist sehr viel heikler, weil es um Fragen der Zuverlässigkeit unserer Repertorien geht.

Philipp Zippermayr