Die menschliche Software: Hahnemanns Traum oder das Ziel einer mathematischen Sicherheit des Verschreibens.

Die Homöopathie hat es wieder mal schriftlich bestätigt bekommen, dass sie nicht wirkt. Ohne die Studie im Detail zu kennen, nehme ich mal an, dass sie objektiv ist, dass sie also berücksichtigt, dass keine Sammelverschreibungen über den Namen der Erkrankung möglich sind, dass jeder Fall individuell ist, also individueller Nachsorge und Betreuung bedarf, und dass der homöopathische Arzneimitteltest als empirische Grundlage anhand eines eigens durchgeführten Tests eines bekannten homöopathischen Mittels untersucht und mit den vorhandenen Testergebnissen (Repertorium) verglichen wurde.

Nehmen wir an, dies alles wäre geschehen. Es hat dennoch nicht funktioniert, obwohl es funktionieren müsste. Was hat die Homöopathie also für Probleme?

Hahnemann träumt im § 145 des Organon, dass die Heilkunst bei zukünftig ausreichend vielen Mitteln die Sicherheit der Mathematik erreichen könnte. Das wäre nicht mal dann realistisch, wenn die Prüfungen von wenigstens 500 der wichtigsten Mitteln ausreichend gut wären. Das ist leider nicht der Fall. Darüber hinaus würde es wohl heftige Diskussionen geben, welche Mittel dies mal abgesehen von den großen Mitteln denn sein sollen.

Ich äußere nun mal einen gefühlten Ansatz. Gute Arzneimitteltests sollten mindestens zwei bis dreitausend Symptome haben. Bei der Verteilung der Kapitel innerhalb der Prüfungen sollte die Anzahl der Körpersymptome wenigstens dreimal höher als die der Gemütssymptome sein. Klar ist auch, dass ausschließlich lokale Symptome bei weitem nicht so wichtig sind wie lokale Symptome mit Modalitäten oder die Modalitäten allein.

Was gleichfalls schwer wiegt, ist das Fehlen einer  logischen Hierarchisierungsmethode. Die derzeit gängige Hierarchisierung (1. Gemütssymptome, 2. Allgemeinsymptome, 3. Abneigung, Begierden,  4. Lokalsymptome) ist es nicht.

Auch das wichtigste Wahlkriterium nach Hahnemann, den auffälligen, absonderlichen oder ungewöhnlichen Symptomen den Vorzug zu geben (§ 153), ist vom subjektiven Gutdünken und der persönlichen Erfahrung des Untersuchers bestimmt.

Die miasmatische Vorgehensweise ist meines Erachtens auch problematisch, weil die Zuordnung von Symptomen zu Miasmen und auch der homöopathischen Arzneimittel zu den Miasmen mehr als unscharf ist. Mag sein, dass einzelne Meister dieses Dickicht durchdringen, ein allgemein brauchbares Verfahren erscheint mir so nicht erreichbar.

Was die Australische Studie des Nichtfunktionierens der Homöopathie betrifft, würde es mich wundern, wenn irgendeine der von mir oben genannten Untersuchungskriterien berücksichtigt wären. Dennoch es gibt Probleme. Diese haben mich auch letztlich zu meiner Arbeit, das ist die Software symptom & sense und ihre theoretischen Hintergründe bewogen.

Meiner Auffassung nach,  kann man diese eben genannten klassischen Methoden wohl nutzen, sie sollten jedoch keine primären sondern nur sekundäre Instrumentarien einer homöopathischen Symptomenhierarchisierung sein.

Wie nun komme ich dazu,  mein Verfahren als geeigneter zu behaupten?

Nun, ich glaube subjektive Einschätzungen eindämmen zu können!

 

Ich beschäftige mich seit 15 Jahren intensiv mit der Symptomensprache (Literatur: Menschliche Signaturen und Materia Medica der Motive). Im Rahmen dieser Arbeit kam ich zum Schluss, dass es sich bei Krankheiten, die nicht mehr aufhören, um unlösbare innere Widersprüche handeln muss. Wenn nun Krankheiten innere Widersprüche sind, müssen sich diese Widersprüche in widersprüchlichen Symptomen abbilden.

Die nachfolgenden Erläuterungen sollen meine technische Vorgangsweise bei der Realisierung erklären:

Mein Bemühen, das homöopathische Analyseverfahren zu objektivieren, basiert also auf der eigentlich zwingenden Logik, dass die Auffindung des passenden homöopathischen Mittels über diese widersprüchlichen Symptome zu laufen hat.

Um einander gegensätzliche Symptome aufzuspüren, gilt es die Dynamik von  Symptomen zu erfassen.  Es geht z. B. um die Frage ist dieses oder jenes Symptom offensiv oder eben defensiv zu bewerten. Dies gelingt am besten über Modalitäten, also Umstände, die ein Symptom verbessern oder verschlimmern.

Wenn sich also Kopfschmerz durch Aufsetzen bessert, bedeutet dies, dass der Betroffene seine Präsenz nicht aufgeben will. Er bleibt auf der Hut: ich erachte es demnach als offensiv.

Das Gegenstück zu dieser offensiven Reaktion ist das defensive

Liegen bessert:  Gefühl, die Präsenz, Kontrolle nicht wahren, sich nur zurücknehmen, zurückziehen zu können;

Auf diese Weise erfasse ich den dynamischen Aspekt, allerdings, die Symptome haben durch ihre Lokalisation noch inhaltliche Botschaft. Nachfolgend also die Kombination von Kopfschmerz (Lokalisation) und Liegen verschlimmert (Modalität):

Liegen verschlimmert, Aufsetzen bessert Kopfschmerz: Gefühl, unter den gegebenen Bedingungen trotz Bemühens um Geltung missachtet zu sein, sich daher nicht zurücknehmen zu dürfen, präsent bleiben zu müssen;

Wir haben ein offensives Symptom mit dem Thema Geltung.

Wenn chronische Krankheit sich in widersprüchlichen Symptomen spiegelt, gilt es diese aufzuspüren und einander gegenüber zu stellen. Das leistet das Programm symptom & sense. Der Vorgang basiert auf 7000 Symptomen, die alle dynamisch zugeordnet sind.

Um überhaupt einen Widerspruch feststellen zu können, bedarf es eines thematischen Rahmens. Auch in Alltagsdiskussionen können Menschen einander nur widersprechen, wenn sie vom selben Thema reden. Die Software berücksichtigt sechs Themen, die aus Gründen der Übersichtlichkeit der Programmoberfläche jeweils einer Farbe zugeordnet sind:

  1. Probleme nervöser Überreizung (rot), 
  2. Entwicklungsprobleme (hellgrün),
  3. defensive, destruktive Thematik (dunkelblau),
  4. expansive Thematik (dunkelgrün),
  5. Geltungsthematik (gelb),
  6. Orientierungsprobleme (grau).

Obiges Kopfschmerzthema ist z. B. der Geltungsthematik (gelb) zugeordnet.

Das Programm sucht also diese widersprüchlichen Symptome im Rahmen von sechs Themen und stellt sie zu Widerspruchspaaren (komplementären Symptomenpaaren) zusammen. Jedes dieser Symptomenpaare ist auf der Programmoberfläche durch eine Farbe angezeigt. Je häufiger eine Farbe vorkommt desto wahrscheinlicher handelt es sich um das Thema des Falls.

Es gilt nun also zu obigem Symptom, Aufsetzen bessert Kopfschmerz, ein widersprechendes Symptom zu finden. Das Thema ist hier Geltung.  Wir brauchen uns nur zu fragen, was darf einem Menschen, der der Meinung ist, ständig auf der Hut, also präsent sein zu müssen, nicht passieren?

Zum Beispiel darf er nicht das Gefühl haben in seiner sozialen Position gefährdet zu sein.

Auf der Gemütsebene

   Angst, Furcht um Verlust der Position, Berufs, gesellschaftlichen Stellung:

   Angst, verlassen zu werden:

Auf der Körperebene wären das Symptome die auf eine soziale Ausgrenzung hinweisen,

  1. B. die Verschlimmerung einer Beschwerde durch Kälte oder Abkühlung.

Dies Software setzt dann Kopfschmerz, Aufrichten bessert und z. B. Huste, schlimmer durch Abkühlung als komplementäres Gegensatzpaar, das der Farbe gelt (Geltung) zugeordnet ist.

Zusammenfassung: bei der Auswertung der Symptome eines Falls stellt die Methode einander dynamisch widersprechende Symptome zu komplementären Symptomenpaaren zusammen und setzt sie  nach ihrer Ranghöhe (Keimblattebene) untereinander. Jedes Paar ist einem Thema (Farbe) zugeordnet. Die am häufigsten vorkommende Farbe sollte das Thema des Falles anzeigen. Die Symptome dieser Widerspruchspaarungen werden in der üblichen Vorgangsweise repertorisiert.

Meine Vorgangsweise  rückt also näher an das Repertorium heran. Ich erwähnte in einer früheren Diskussion auf dieser Plattform, dass nicht auszuschließen ist, dass mit verschiedenen Repertorien verschiedene Ergebnisse erzielt werden. Niemand kann also behaupten, dass in der  Homöopathie alles im Lot wäre. Die Diskussion sollte allerdings bei den eigentlichen Problemen ansetzen und nicht irgendwelchen bekannten Vorurteilen bedienen wollen.

Philipp Zippermayr

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