Die Grammatik der Krankheit: Wieso der Körper nicht tut, was der Kopf gerne hätte.

Dr. Philipp Zippermayr   

Artikel zum Video 5: https://youtu.be/fdO_gO5tgqE

Folgt man unserer durch die  Digitalisierung und Computerprogramme informatisch geprägten Wirklichkeit, ist die Frage, ob denn nicht auch die ganze Welt eine Art Programm ist, naheliegend. Programme sind logische Konzepte, die als Software bezeichnet werden, und üblicherweise an technische Träger, die Hardware, gebunden sind.

Eine programmartige Welt wäre allerdings ein logisches Konzept ohne Hardware.  Das bedeutet, alles wäre Software.

Das ist nicht abwegig. Folgt man der theoretischen Physik, sind die Teilchen, aus denen die Welt zusammengesetzt ist, nicht fest sondern winzige elektromagnetische Schwingungsgebilde aus Energie und Information.

Unter Energie stellen wir uns eigentlich nur physikalische Kräfte vor. Wenn aber alles Software ist, muss man an die Stelle von Energie einen Begriff setzen, der diese dynamische Kraft über seinen Inhalt erklärt. Ausgehend vom Urknall entspricht der Begriff, Entfaltungsdrang, dieser Vorgabe am besten. Letztlich beruht auf ihm das  im Universum von vorne herein angelegte Streben zur Weiterentwicklung. Nur durch diese in jedem Atom wirkende Kraft konnte Leben auf unserem Planeten entstehen.

 

Wenn also das Wesen kosmischer  Energie Entfaltungsdrang ist, was ist dann Information? Die Antwort lautet, jedem Element wohnen spezifische Absichten oder Wünsche inne, die seinem Entfaltungsdrang Richtung geben.

Entfaltungsdrang und Absicht führen zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die deren expandierender Dynamik ihren Widerstand entgegensetzt.

Wunsch trifft hier auf Realität. Die Auseinandersetzung zwischen diesen Gegenpolen findet auf allen Ebenen des Universums statt, sei es die elementare, pflanzliche, tierische oder menschliche. Sie erzwingt eine Anpassung an die herrschenden Bedingungen.

Die Dynamik des Wunsches erfährt sich gebremst und eben mit dieser einschränkenden Erfahrung kommen Emotionen ins Spiel.   

Wenn ein Kleinkind einen Baukasten wegschleudert, weil es nicht in der Lage war, die Bausteine richtig zusammen zu setzen, bedeutet dies, dass es den Gegenstand seines Zorns personifiziert, so als ob die Bausteine an seinem Scheitern Schuld hätten. Das verweist auf einen Wunsch, den das Kind durchsetzen will. Dazu bräuchte es aber Fähigkeiten, die es noch gar nicht besitzt. Zwangsläufig  gerät das Kind so mit der Realität in Konflikt.  Da sein Wunsch unerfüllbar ist, entlädt sich die Emotion in eine Gewalthandlung und das Spielzeug landet irgendwo in einer Ecke des Raumes.

Man kann sich also Lebewesen wie wandelnde Programme vorstellen, die ihre Absichten und Wünsche mit der Realität abzustimmen haben. Bei diesem Kind kommt es aber zu keiner sozialen Abstimmung sondern zum Kontaktabbruch. Es hat sein Problem also auf diese Weise gelöst.

Wenn sich das Kind jedoch mit seinem Scheitern  nicht abfinden kann, ist keine Lösung möglich, die Situation wird pathologisch. Damit meine ich, dass das Kind etwas will, wozu es noch gar nicht in der Lage ist. Krankheitskonflikte sind demnach unerlöste Emotionen, die auf unlösbaren Widersprüchen beruhen.

Der Wunsch nach sozialem Konsens, also Widerspruchsfreiheit,  ist ein zentrales Anliegen aller Lebewesen.

Die soziale Abstimmung mit anderen Lebewesen und den Umweltbedingungen ist daher unverzichtbar.

Das bedeutet nicht, dass alles in friedlicher Eintracht enden muss, in Fällen wie dem obigen kann eine gewaltsame Trennung durch, man kann auch sagen eine Lösung vom Gegenstand des Ärgers, das Problem ebenfalls beheben.

Die Entstehung des Lebens kann nur über dieses Prinzip der gegenseitigen Abstimmung oder des Konsenses gelaufen sein. Nur so konnten die Elemente zu Molekülen zusammenfinden, nur so konnten sie sich im nächsten Schritt zu anorganischen und organischen Verbindungen vereinen, aus denen letztlich Lebewesen entstanden sind. Nur so konnten sich Lebewesen zu Gruppen, Stämmen und Staaten vereinen.

Das Potenzial, sich sozial abzustimmen, ist  also nicht nur allen Lebewesen gegeben, es muss auch die Absicht der Materie und damit Absicht des Universums sein.

Wenn aber bereits in den Elementen Entfaltungsdrang und Absicht angelegt ist, wenn die Existenz von belebten wie unbelebten Gegenständen auf dem Konsensprinzip zwischen Ding und Umwelt beruht, erscheint mit dem Begriff Konsens auch das Attribut „sozial“.

Die Absicht des Universums muss sozial sein, seine Existenz auf sozialem Konsens beruhen!

Wie schon erwähnt, werden in der theoretischen Physik die Materieteilchen nicht als fest sondern als schwingende elektromagnetische Teilchen erachtet. Alles was schwingt, transportiert Information, alle Elemente schwingen, also haben sie, hat alles, was aus Elementen besteht, Information.

Diese Information ist von Element zu Element verschieden, also müssen auch die Schwingungsmuster verschieden sein.

Das hätte eigentlich umwälzende Konsequenzen für unser derzeitiges Weltbild, das ja der Materie nur physikalische und chemische Eigenschaften zubilligt. Vor allem in den biologischen Wissenschaften würde es neue und bessere Erklärungsmodelle zulassen.

  • Wenn es nämlich feststoffliche Materie nicht gibt und alles, was existiert, informatisch aufgebaut ist, führt dies bei Lebewesen zwangsläufig zum Schluss, dass Krankheit kein Materialdefekt ist.

Krankheit ist tatsächlich eine Störung des sozialen Konsenses, indem sich Wunsch und Wirklichkeit nicht vereinen lassen.

Wir haben bei obigem Beispiel ein Kind erlebt, das mit Bausteinen um sich wirft.

Wenn es sich auf diese drastische Weise von seinem Anspruch, die Bausteine richtig zusammenzufügen, lösen kann, bleibt der Konsens gewahrt. Besteht das Kind aus seinem inneren Antrieb darauf etwas zu wollen, wozu es altersmäßig noch nicht in der Lage ist, ist kein Konsens möglich und das Kind wird erkranken.

In der Mehrzahl der Fälle hat sich also das Kind diesen Druck selber auferlegt. Im Krankheitsfall wird dieser innere Konflikt durch Symptome mitgeteilt.

  • Daraus folgert, bei Kranken kollidiert ihre soziale Absicht mit eigenen Schwächen oder den sozialen Bedingungen. Der Wunsch kann nicht verwirklicht werden, die Emotion bleibt unerlöst. In einfachen Worten gesagt, man kann sich nur aufregen aber nicht durchsetzen.

Nun einige Beispiele krankheitstypischer innerer Widersprüche:  

Man wünscht sich Erfolg, hat aber unüberwindliches Lampenfieber. Ehrgeiz kollidiert mit  Versagensangst.  Wenn es einem talentierten jungen Musiker durch sein unüberwindliches Lampenfieber nicht möglich ist, vor anderen Menschen aufzutreten, ohne Fehler zu machen, wird er an sich selbst scheitern. Sein Ehrgeiz kollidiert mit seiner unüberwindlichen Versagensangst.

oder…

Das Kind  möchte erwachsen sein, und alles selber machen, gleichzeitig hängt es aber an der Mutter. Diesen Konflikt von Selbständig-Sein-Wollen und Klammern an die Mutter sieht man häufig bei Kindern, die wohl wild herumtoben aber ständig in Sichtweite der Mutter bleiben.

oder

Man wünscht sich Erfolg, erfüllt alle Bedingungen, wird aber trotz guter Leistungen nicht anerkannt sondern nur für Fehler anderer verantwortlich gemacht. Hier kollidiert expansive Dynamik, die Bereitschaft, durch Leistung zu überzeugen, mit  Ungerechtigkeit. Man kennt dies als eine klassische Burn-Out-Situation.

oder

Entwicklungsprobleme sind nicht nur auf Kinder beschränkt. Bereiten z. B. die Pubertät oder der Berufseintritt Probleme, so verschwinden diese nicht mit dem Älterwerden. Im Gegenteil, die unbewältigte Entwicklungsstufe begleitet diese Menschen ihr ganzes Leben lang und ist in vielen Fällen der eigentliche Grund für Depressionen. Wenn also die Pubertät die Annahme der eigenen Fruchtbarkeit fordert, kann dieses Thema im Zuge einer Schwangerschaft, die ja Folge eben dieser Fruchtbarkeit ist,  wieder schlagend werden.

  • Will man Krankheiten behandeln, muss man diese Widersprüche finden und lösen.

Was soll man einem Kind sagen, das Prüfungsangst hat, weil es meint, nur Einser haben zu müssen. Dass ein Gut auch gut ist

Das weiß es selbst. In vielen Fällen geht es tatsächlich um eine Art Existenzangst. Das Kind glaubt nur durch Makellosigkeit und Fehlerfreiheit in der Welt bestehen zu können.

Ratschläge, Erklärungen dringen nicht bis ins Unterbewusstsein vor. Das passende homöopathische Mittel gibt letztlich auch keine Ratschläge sondern veranlasst das Kind zu reifen, also sich und die Welt richtig zu sehen.

Für die therapeutische Praxis bedeutet das: Krankheit ist die Folge innerer Widersprüche, die vom Unterbewusstsein durch widersprüchliche Krankheitssymptome mitgeteilt werden. 

  • Symptome sind also die Vokabel einer Körpersprache, deren Aussage die Bedeutung der Krankheit, oder das

KRANKHEITSMOTIV ist.

Jedes Symptom ist somit eine emotionale Reaktion. Die Aussagen dieser Reaktionen erhalten durch die körperliche Lokalisation und verbessernde oder verschlimmernde Umstände ihre Bedeutung.

Alle informatischen Therapieformen, wie z. B. die Homöopathie, versuchen daher mit dem Unterbewusstsein von Kranken in Dialog zu treten.

Wenn sich also die einander entgegengesetzten Ansprüche unseres Unterbewusstseins in einander widersprechenden Symptomenbedeutungen abbilden, so beschreiben sie damit den herrschenden Krankheitskonflikt.

Wir erfahren über diese Krankheitskonflikte nichts von der Wirklichkeit an sich, sehr wohl aber etwas von der empfundenen Wirklichkeit des Kranken.

Die objektive Wirklichkeit würde uns auch nichts nützen, geht es doch bei Krankheiten nicht darum, wie die objektive sondern wie die subjektive Wirklichkeit des Kranken aussieht.

 

Auf Basis dieser Zusammenhänge werde ich mich in den nächsten Videos den Konsequenzen widmen, die diese Weltsicht für die Erklärung verschiedener organischer oder psychischer Krankheiten und die Praxis ihrer Behandlung hat.   

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