Die menschliche Software: symptom & sense   Der Fall  Ludwig Van Beethoven: Warum er taub geworden ist.

Video Beethoven 33

Video: https://www.youtube.com/watch?v=9ALzgQ7DWvQ

 (copyright) Philipp Zippermayr

 

Meiner Meinung nach kann man Beethovens Krankheiten, die die Krankheiten eines Genies sind, nur verstehen, wenn man seinen Anspruch an sich und seine familiäre Herkunft beachtet. Hier stellt sich sehr rasch die Frage, wie es denn zu Spitzenleistungen dieser Art kommt?

Sind sie die Folge extremer Fähigkeiten oder Talents einer Person, die sich an ihr schicksalhaft wie von selbst entfalten, weil sie diese Eigenschaften eben hat?

Vermutlich nicht. Spitzenleistungen sind sehr viel  eher die Folge einer besonderen Lebenshaltung. Damit meine ich, hinter jeder großen Leistung steht der ernsthafte Anspruch, genau diese Leistung erbringen zu wollen.

Dieser Anspruch ist Voraussetzung für das Talent, das Ausdruck der Bereitschaft ist, sich auf ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Aufgabenstellung intensiv und vorbehaltsfrei einzulassen. Also in der Sache aufzugehen, sie zu seiner zu machen, wie es anderen eben wegen ihrer Vorbehalte und Ängste nicht gegeben ist.

Ich vermute also, dass jede enorme Fähigkeit diese enorme Motivation, man kann auch sagen Unerschrockenheit vor einer spezifischen Herausforderung, voraussetzt.

Alfred Adler, Zeitgenosse Freuds und Jungs, sagt, das treibende Moment jeder Leistung wäre ein Versuch der Befreiung von der eigenen Minderwertigkeit. Im Gegensatz dazu steht die Neurose, die aus seiner Perspektive ein Versuch ist, durch bloße Gegensetzung seiner Haltung zu allgemein üblichen Haltungen quasi leistungsfrei den Status des Besonderen zu erschwindeln. Beispiele wären, sich durch prinzipiellen Widerspruch abzugrenzen (Hauptsache, man ist anders), oder noch einfacher, aus der Abwertung anderer Eigenwert zu kreieren.

Ich gehe also davon aus, Spitzenleistungen sind Folge des außerordentlichen und ehrlichen Willens zur extremen Herausforderung. Dieser Wille fordert von sich die Überwindung aller Widerstände, koste es, was es wolle. Je größer der Eigenanspruch ist, desto  risikoreicher für die, die ihm ausgeliefert sind. In der äußeren Perspektive erscheint vielleicht das Bild des schon Erreichten in der inneren Perspektive das noch zu Erreichende. Je extremer der Drang zum Außergewöhnlichen ist, desto gewisser ist die letztliche Unerreichbarkeit und das Scheitern. Die Folge ist Depression oder körperliche Erkrankung.

Beethovens Krankengeschichte, seine Symptome sollte somit Antwort geben können, was seine Motivation und was sein körperlicher Untergang war.

Philipp Zippermayr

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