Anwendung miasmatischer Prinzipien im Rahmen von symptom & sense:

Der miasmatische Ansatz versucht die Frage der Ursächlichkeit, die stets auf einer spezifischen Empfindsamkeit beruht zu klären:

  1. HAHNEMANN hatte drei Miasmen, also drei Krankheitsaspekte, in die Homöopathie eingeführt:
  2. Psora, die er in ihren Erscheinungsformen von der Hautkrätze herleitete,
  3. Sykose, die auf in ihren Erscheinungsformen der Gonorrhoe ähnelt,
  4. Syphilinie, die in ihren Erscheinungsformen syphilitische Ähnlichkeiten aufweist.

Seither wurden mehrere Miasmen hinzugefügt, von denen mir zwei wesentlich erscheinen,

  1. Tuberkulinie, mit ihren tuberkuloseähnlichen,
  2. Carcinogenie, mit ihren destruktiven Erscheinungsformen.

Anders als im Jahrhundert HAHNEMANNS werden heute den Miasmen auch typische emotionale Grundhaltungen zugeordnet. Die nachfolgenden entspringen meiner Analysearbeit, unterscheiden sich aber nicht wesentlich von den gängigen:

Psora: Gefühl, den Kriterien sozialer Besonderheit nicht zu entsprechen, drängt zur Präsenz, ist jedoch durch Bedenken daran gehindert, selbstverständlich hervorzutreten, schwankt somit zwischen Wollen und Nicht-Wagen (Hautjucken), weil man minderwertig, unscheinbar bzw. Missachtung, Rücksichtslosigkeit ausgesetzt ist.

Tuberkulinie: Gefühl, in seinem Anspruch auf  Raum, seiner kommunikativen Entfaltung, Dynamik gehindert, bedrängt, ohne soziale Resonanz, Rückhalt und daher zur Zurückhaltung gezwungen zu sein, weil man sozial Minderwertig, ohne Selbstvertrauen bzw. unüberwindlichem Gegendruck, Enge, Intoleranz,  Willkür, Unterdrückung ausgesetzt ist;

Sykose: Gefühl, sozialer Zweckmäßigkeit dienen, seine emotionale Ablehnung verbergen, sich hinter Barrieren verstecken, sich bis zur Deformation zurückhalten zu müssen (Tumoren, Warzen), um nicht gegen die Bedingungen sozialer Integration zu verstoßen, weil man kein Selbstvertrauen hat, bzw. weil man Intoleranz, einschränkenden Bedingungen, denen man sich nicht anpassen kann, ausgesetzt ist;

Syphilinie: Gefühl, nur im Extrem, Ausüben oder Erleiden von Gewalt, Überlegenheit oder völliger Unterordnung, letztlich also nur durch Destruktion, Zerstörung seiner selbst oder des anderen Anerkennung, Akzeptanz, Geltung erlangen zu können, weil man sozial unbeachtlich bzw. rücksichtsloser Unterdrückung, Missachtung, Intoleranz ausgesetzt ist;

Karzinogenie: Gefühl, den sozialen Bedingungen trotz Bemühens nicht genügen zu können, sich einseitig bis zur Verausgabung zu engagieren, ohne dafür akzeptiert zu sein, weil man den Herausforderungen nicht gewachsen, durchsetzungsschwach bzw. unüberwindlichen Widerständen, Willkür, Unterdrückung ausgesetzt ist.

Die Berücksichtigung der Miasmen bei der Behandlung eines homöopathischen Falls ist letztlich zwingend, weil die Miasmen für die Schwere der Erkrankungen stehen und weil die angewendeten homöopathischen Mittel dieser Schwere entsprechen müssen, um wirksam werden zu können.

Bevor wir uns aber mit der Frage der praktischen Umsetzung im Rahmen von symptom & sense beschäftigen, sind noch zwei weitere Aspekte der Erkrankung zu beachten. Therapeutische Fortschritte können blockiert werden, wenn der Patient

  1. einen Schock erlitten hat oder
  2. unter den Nebenwirkungen allopathischer Medikamente leidet.

Beide Ursachen erfordern eine spezielle Berücksichtigung beim Einstieg in die homöopathische Therapie. Der Schock muss durch schockspezifische Mittel, das medikamentöse oder Arzneimiasma durch homöopathische Arzneimittel, die das Potenzial haben, sie aufzulösen, angegangen werden. Das setzt natürlich voraus, dass man sie auch wahrgenommen hat.

Bei der Bearbeitung in symptom & sense sind jeweils das Schockereignis oder die Medikamentenvergiftung in die Symptomenliste einzutragen und bei der Aktivierung gemeinsam mit allen in der zeitlichen Folge aufgetretenen Symptomen auszuwerten.

ad 1: Beim Schock sind es meist Ängste, die ab dem Schockereignis das existenzielle Urvertrauen der oder des Betroffenen abgelöst haben.  Es gibt jedoch „verdrängte“ Schocks, die am ehesten über das Ereignis  erkannt werden. Die Ängste, das Entsetzen zeigen sich hier nicht offen sondern sind in „Opium-Manier“  nach innen gekehrt.

ad 2: Das Arzneimiasma ist als Vergiftung zu werten. Sie finden die passsenden Symptome im Repertoriumsführer von symptom & sense. Ob ein Mittel das Potenzial hat, st eine andere Frage. Ich habe im Anhang zu diesem Artikel eine Arzneimittelliste aus über 500 Mittel zusammengestellt. Sie finden hier zum einen das jeweils hochrangigste Miasma, dem sie zugeordnet sind. Das bedeute, sie sind wohl in der Lage ein niedrigeres Miasma bei entsprechender Ähnlichkeitsindikation aufzulösen, nicht aber ein höheres.

Alle Mittel, bei denen Sie vor diesem Miasma in A sehen, sind dem Arzneimittelmiasma zugeordnet und daher auch in der Lage, dieses bei gegebener Ähnlichkeit aufzulösen.

Nun zum miasmatischen Schema meiner therapeutischen Vorgangsweise:

zz-13

Die roten Querstriche stehen als „x-Achsen“ für die Ursachen, ab der jeweils ein chronisches Miasma ereignishaft ausgelöst wurde, die senkrecht aufgesetzten blauen Pfeile sind die „y-Achsen“, sie stehen für die destruktiven Reaktionsweisen des Kranken. Auf diese Weise sehen wir eine stufenweise Dramatisierung der Krankheitssituation.

Der therapeutische Ansatz sollte auf jeder Stufe  mit Symptomen ab dem kausalen Ereignis (rote Querstriche) erstellt werden.

ACHTUNG, aktuelle Symptome, die schon vor dem auslösenden Ereignis vorlagen, sind dann zulässig, wenn sie mit dem destruktiven Symptom des aktiven Miasmas eine komplementäres Paar bilden. Darum besitzt jede miasmatische Pyramide einen rechten Schenkel, der bis an die unterste rote Querlinie heranreicht.

In der Praxis kommt es darauf an, das aktive Miasma zu treffen. Können also ein Schock oder eine Arzneimittelkrankheit ausgeschlossen werden, wird man alle aktuellen Symptome ab der Ursache eintragen. Kann man keine Ursache feststellen, werden es alle Symptome ab dem Krankheitsbeginn sein. So gut wie immer werden dynamisch rot und dunkelblau gekennzeichnete Symptome erscheinen. Die rote verweisen auf die Ursache, die dunkelblauen auf die resignativen Eigenschaften des Kranken. Idealerweise sollten beide, mindestens aber eine der beiden Symptomentypen vorhanden sein, um die Bildung eines Hauptsymptoms und damit auch eine Auswertung zu ermöglichen. Ist eine Auswertung trotz intensiver Befragung und Durchforstung der Mitschrift nicht möglich, kann man aktuelle Symptome, die schon vor dem Ausbruch der zu behandelnden Krankheit vorhanden waren, beiziehen.

ACHTUNG, sie sollten entweder dunkelblau markiert oder zur Bildung dunkelblauer komplementärer Paarungen geeignet sein. Ich habe es schon oben angedeutet, es handelt sich um die destruktiven Symptome des rechten Schenkels der Krankheitspyramide. Das können z.B. familiäre Krankheiten sein, die der Patient von seinen Vorfahren wie auch von sich selber berichtet hatte.

Nach erfolgter Auswertung durch das Programm werden die Symptome der Symptomenpaarungen von oben nach unten in einem homöopathischen Repertorisationsprogramm repertorisiert. Die Eingrenzung der Mittel der Wahl erfordert häufig mehr als drei Symptome. Jetzt empfehlen sich die noch nicht berücksichtigen dunkelblauen Paarungen. Bedenken Sie stets, je mehr Symptome man auswertet, desto mehr werden die homöopathischen Arzneimittel, die nur mit wenigen Symptomen im Repertorium verzeichnet sind, benachteiligt.

In den Mitteln der Wahl wird sich üblicherweise auch das aktive Miasma zeigen. Sie können sich die miasmatische Arzneimittelliste kopieren und auf eine Seite Ihrer Officedatei übertragen. Sie finden sie frei zugänglich im Portal zum Programm unter

Maximale Verschreibungssicherheit bei einfachen wie  schwierigen Fällen:

Mit einer einfachen Wortsuche können sie dann das jeweilige Mittel aufsuchen und nachsehen,  ob es für das Arzneimittelmiasma (Kennzeichnung A) geeignet ist, bzw. welches das hochrangigste Miasma (Kennzeichnung P, T, Syc, Syph, C) seines Heilpotenzials ist. Meist wird das aktive Miasma durch die größere Anzahl vorgeschlagener Mittel angezeigt. Unter diesen Mittel wird sich auch das Mittel finden, mit dem Sie die Therapie beginnen.

Advertisements