symptom & sense – praktische Umsetzung.

2. von drei Artikeln

Die Anerkennung der Homöopathie als wirksames Verfahren setzt ein anderes Weltbild voraus. Ich vermute, in dieser Welt kann sie diese nicht erfahren, weil sie eben eine materialistische ist. Danach könnte ein Arzneimittel, das vom namensgebenden Ausgangsstoff substanziell nichts enthält, nicht wirken. In einer informatischen Welt – das wäre auch die der theoretischen Physik – ist das selbstverständlich, allerdings steht in dieser Welt alles inhaltlich miteinander in Beziehung. Das würde die Evolution wie von selbst erklären, sie bräuchte sich nicht wie in der derzeitigen Theorie auf den Zufall berufen.

Ist es also vermessen zu behaupten, Menschen erkranken, weil sie emotionale Konflikte, Frustrationen erleiden und nicht, weil der „Stoff“, aus dem sie gebaut sind, Schwächen zeigt?

Wenn es denn Emotionen sind, so kommen sie nicht aus dem Kopf, sie sind Teil unseres Wesens und Grund, weshalb die Willensfreiheit in Frage zu stellen ist.

Wenn aber unser Wesen unsere emotionalen Reaktionen bestimmt und der „Kopf“ nicht daran beteiligt ist, unterliegen Emotionen einer unterbewussten Logik, man könnte auch sagen Mechanik, weil sie ja bei gleichem Reiz immer gleiche Antwort  zeigen. 

Der Kopf und seine Gedankenwelt unterliegt unserem Willen – die Gedanken sind frei -,  die Handlungen sind emotional, sind demnach unfrei. Somit sind sie wohl von Mensch zu Mensch verschieden aber in ihren jeweiligen „Handlungsgründen“ berechenbar und daher dem Computer zugänglich.

 

  1. Krankheitstheorie:
  • Das theoretische Konzept der Software lautet, die Welt ist informatisch, ist also nicht aus Materie sondern aus Energie und Information aufgebaut. Vereinfacht gesagt, das Universum ist ein logisch aufgebautes Programm.
  • Wenn dies richtig ist, ist Krankheit kein Materialdefekt sondern ein innerer Widerspruch. Kranke haben einen Anspruch an sich oder das soziale Umfeld, der in sich widersprüchlich und daher mit der Welt unvereinbar (unrealistisch) ist.

Zum Beispiel:

Man wünscht sich Erfolg, hat aber unüberwindliche Versagensängste.

Das Kind möchte erwachsen sein, klebt aber an der Mutter.

 

  • Chronisch Kranke leiden an einem unlösbaren inneren Widerspruch. Will man chronische Krankheiten behandeln, muss man diesen inneren Widerspruch finden und lösen. Menschen erkranken immer sozial, die Gründe liegen in ihrer Person und Situation.
  • Die daraus resultierenden Widersprüche teilt das Unterbewusstsein durch widersprüchliche Krankheitssymptome mit. Die Botschaft dieser einander widersprechenden Symptome ist das

 

  • Wie Krankheit entsteht:

In jedem Menschen sind die Krankheitsursachen als Empfindsamkeit – also die Krankheitsreaktionen als Ausdruck seines Temperaments und die Toleranzgrenzen, ab denen er resigniert – schon vorher angelegt.

Ursache, Reaktionsweise und Toleranzgrenze sind also Komponenten seiner Emotionalität und damit auch der Erscheinungsformen seiner Krankheiten.

  • Das Zusammenspiel dieser dynamischen Kräfte sehen wir hier in der Kreisgraphik:

       stellen Sie sich vor, jeder Strich wäre ein im Menschen angelegtes Reaktionsmuster. 

 ZZ 10

Die roten Striche repräsentieren Symptome der Reizbarkeit eines Menschen. Sie stehen für ursächliche äußere Reize, auf die er reagiert. Es geht also um die Qualität eines Reizes oder um die Empfindlichkeit auf einen Reiz, die ihn zur Ursache einer Reaktion macht.

Die dunkelblauen Striche stehen für die Widerstandsfähigkeit eines Menschen, wird sie überschritten, kann er nur resignativ bis destruktiv reagieren. Es geht hier um die emotionale Toleranzgrenze, ab der feststeht, dass man sich der gegebenen Reizsituation nicht anpassen sondern nur deformieren kann.

Das untere vierfärbige Drittel steht für Symptome der Konfliktbewältigung, sie beschreiben die individuellen Strategien, wie ein Mensch mit den typischen sozialen Konfliktsituationen, Probleme der Entwicklung (grün), des Leistungsdrucks (dunkelgrün), der sozialen Geltung (gelb) und individueller Entscheidungsschwierigkeiten (grau), umgeht.

Menschliche Reaktionen sind stets ein Spiegel menschlichen Temperaments, wobei betont werden muss, dass es keine Willensentscheidungen sondern emotionale Verhaltensmuster sind.

Die drei Pfeile im Kreis deuten zwei mögliche Wege der Auseinandersetzung mit einem krankmachenden Reiz, also mit der Krankheitsursache, an. 

Weg 1: Der Kreis zeigt oben einen unmittelbaren Übergang von

Ursache zur Resignation, also von rot zu dunkelblau.

Dieser schroffe Übergang steht zum Beispiel für einen Schock, wie er bei Verletzungen auftreten kann.

Weg 2: Die rot / grau und dunkelgrün / dunkelblau Übergänge im unteren Kreissegment beschreiben Anfang und Ende eines schrittweisen Heranrückens an die dunkelblaue Zone. Die Farbreihenfolge, also die Abfolge der Themen, ist hier nicht fix. Beginnend  mit der Ursache, rot, gelangt die Krankheitsdynamik über den Umweg chronischer Erkrankungen

an die Grenze der Toleranzfähigkeit (dunkelblau).

Wird sie überschritten, tritt auch hier Resignation ein.

 

Die Logik von symptom & sense basiert daher auf folgenden Prinzipien:

  1. Jede Krankheitskarriere, die plötzliche wie auch die schrittweise, endet in Resignation, Destruktion.
  2. Die innere Widersprüchlichkeit eines Kranken muss sich in widersprüchlichen Symptomen spiegeln.

Mehr über diese Logik finden Sie in meinem Buch symptom & sense ML-Verlag 2016.

 

Wie sieht das nun in der Praxis aus? Betrachten wir die Auswertung von Symptomen eines Falles in fünf Schritten:

SCHRITT 1:  Man trägt die Symptome aus der Fallmitschrift in das Programm ein.

 

Symptome der Fallmitschrift:                              Aufrufen dieser Symptome im Fenster,

                                                                                         Symptomsuche, und Eintrag durch Speichern:

 A. FallmitschriftML Artikel 2016 Bild 23 (300dp) - Kopie 

 

 

Die Farbumrandung des Kästchens links vom Symptomennamen steht für die Zugehörigkeit zu einem der drei Farbthemen, rot, dunkelblau und Restfarben, die ich eben im Farbkreis vorgestellt habe. Die Reihung erfolgt programmseitig nach Rang, rot vor dunkelblau und dunkelblau vor den Restfarben. Die interne Reihung innerhalb jeder Farbgruppe basiert auf der Keimblattlokalisation und Gewichtigkeit der Erkrankung.

In beliebiger Reihefolge wird nun ein Symptom nach dem anderen in das Programm übertragen und von diesem nach Rang gereiht.


ML Artikel 2016 Bild 23 (300dp)

 

Alle Symptome in dieser Liste sind inaktiv,  können aber vom Anwender durch Anklicken des Kästchens links vom Symptomennamen aktiviert werden (in der Abb. ist es schon geschehen): ein Häkchen erscheint, es kann durch weiteres Anklicken wieder entfernt (= deaktiviert) werden.

Der oder die AnwenderIn aktiviert nun die Symptome der Symptomenliste nach folgendem Schema: das oberste rote, da oberste blaue und das obeste neutrale Symptom erhalten durch Anklicken ein Häkchen……

 

dies führt man so lange aus, bis eines der Symptome eine doppelte Umrandung zeigt. In der Graphik ist dies beim fünften Symptom der Fall.

 

 

 

Im Fallbeispiel erfolgt dies also beim 5. Klick, Hautausschläge durch Schweiß, das ist das unterste Symptom (leider unscharf). Die doppelte Umrandung deklariert jedoch das Symptom darüber, Gesicht, Hautausschläge, Kiefer, Unterkiefer als Hauptsymptom. Damit ist auch der Anlass der Behandlung ins  Zentrum der Analyse gesetzt.

Das Hauptsymptom ist der Kristallisationskern der nun folgenden Auswertung.

 

 

SCHRITT 3: Auswertung:

Nach Abschluss des Symptomeneintrags klickt man auf Auswertung. In dieser zeigt das Programm die widersprüchlichen bzw. komplementären Symptomenpaare an. Ich erinnere, in ihnen spiegelt sich der Krankheitskonflikt.

Das Bild zeigt die Analyseschritte schematisch. Jeder Pfeil steht für ein Symptom.

ML Artikel 2016 Bild 19 (300dp)

Komplementäre Paarungen bilden stets den Krankheitswiderspruch ab:

Bei roten komplementären Paarungen – sie betreffen die Ursächlichkeit – stehen zum Beispiel Symptome der Reizbarkeit starken Reizen gegenüber. Damit meine ich, das letzte, was ein reizbarer Mensch brauchen kann, ist ein Reiz, der seine ohnehin schwache Reiztoleranz überschreitet.

Bei dunkelblauen Paarungen, trifft die Eigenschaft, sich lieber anzupassen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, auf einen Konflikt, dem man sich weder entziehen noch anpassen kann.

Auf diese Weise wird ein Fall programmseitig nach Widersprüchen innerhalb der sechs Farbthemen untersucht und ausgewertet:

In der Auswertung werden die Paarungen nach dem gleichen Rangschema wie die Symptome in der Symptomensammlung untereinander gestellt:

 

                                        ML Artikel 2016 Bild 24 (300dp)

 

 

 

I. rot

 

  

 

 

                                         II. dunkelblau (fehlt hier)

 

                                         III. Restfarben

        

 

 

Innerhalb dieser drei Farbgruppen werden die Paarungen nach ihrer Wertigkeit oder Schwere gereiht. Im vorliegenden Fall fehlt blau, das ist nicht ideal aber praxisüblich.

 

Die ranghöchsten Paarungen der obigen Auswertung:

       rot = kausale Zuordnung + doppelte Umrandung.

Beschwerden durch Impfungen:  –  Hautausschlag Unterkiefer:

Danach folgt

       grün = Entwicklungsprobleme  + doppelte Umrandung

Hautausschlag Unterkiefer:  –  Hautausschläge Schweiß:

An dritter Stelle folgt die zweitwichtigste rote Paarung

         rot =  kausale Zuordnung ohne doppelte Umrandung

  Beschwerden durch Impfungen:  –  Hautausschlag Wangen:

 

Reihungsschema von oben nach unten: In jeder Farbgruppe

– 1. rot, 2. dunkelblau, 3. Restfarben (grün, dunkelgrün, gelb, grau) –

zählt zuerst die jeweils oberste. Wenn diese verbraucht sind und man benötigte noch Symptome, die jeweils zweite soweit vorhanden.

 

SCHRITT 4: Endauswertung

In der Endauswertung (ich zeige die Programmseite hier nur schematisch), werden die nach ihrem Rang

ersten drei Symptomenpaare gezeigt.ML Artikel 2016 Bild 22 (300dp) - Kopie

 

Der Anwender kann die hier befindlichen Symptome zur  homöopathischen Repertorisation verwenden.

 

 

Im Fenster KOMMENTAR kann die Krankheitsbotschaft formuliert werden.

 

 

 

 

 

Ich wiederhole die Zusammenfassung der vier Schritte, sie zeigt den einfachen Vorgang:

ML Artikel 2016 Bild 19 (300dp)

      1.Eintrag der Symptome in die Symptomenliste des Programms.

      2.Aktivieren der Symptome nach Ranghöhe der Symptome, also das jeweils oberste rote, dunkelblaue und

           farbneutrale Kästchen werden angeklickt

           Erscheint ein doppelt umrandetes Hauptsymptom, kann

  1. Auswertung angeklickt werden.
  2. Die zur Erstellung des Krankheitsmotivs oder zur homöopathischen Repertorisation geeignete Symptome werden in der Auswertung und Endauswertung angeboten.

 

SCHRITT 5.: Homöopathische Repertorisation in einem externen Repertorium:

Für die homöopathische Anwendung: Die Übersetzung der Symptome in eine Repertoriumsrubrik – sie besteht aus der Symptomenbezeichnung und den zugehörigen homöopathischen Mitteln – wird  durch eine spezielle Repertoriumshilfe unterstützt.

Rechts von jedem Symptom auf der Programmoberfläche

befindet sich der Button Repertorium.
ML Artikel 2016 Bild 24 (300dp) - Kopie

 

Klickt man diesen an, erscheinen zwei übereinandergelegte Listen möglicher passender Symptome, also auch bedeutungsähnlicher, der beiden meistverwendeten Repertorien, Synthesis und Complete.

ML Artikel 2016 Bild 5 (600dp)

Die gerasterte Fläche  kennzeichnet den Repertorisationsbereich. Er liegt außerhalb der Software symptom & sense. Hier wird entweder ein Homöopathieprogramm eines gängigen Anbieters oder ein Repertorium in Buchform angewendet.

Über die Repertoriumshilfe können Sie in beiden Repertorien anhand des Wortlauts bzw. der gegeben Stichworte die in Frage kommenden Rubriken bedeutungsgleicher oder  –ähnlicher Symptome suchen und zur Repertorisation verwenden.

Die Repertorisationshilfe lindert so die Inhomogenität der Repertorien  (siehe Buch, symptom & sense, LM-Verlag, Kapitel 1).

ML Artikel 2016 Bild 25 (300dp) - Kopie

Zum Beispielsfall: Das Ergebnis der Repertorisation obiger Symptome führte zu fünf Mitteln der Wahl, hier calc, rhus-t, sep, sulph, thuj. Durch Hinzufügen weiterer Symptome – man findet sie auf der Seite Auswertung (Schritt 3) -könnte man ihre Zahl verringern oder die Arzneimittelmotive dieser Mittel mit dem Krankheitsmotiv vergleichen.

Dazu geht man zur Seite Endauswertung im Programm symptom & sense zurück. Über dem Fenster Kommentar finden Sie die Funktion, Arzneimittelsuche. Sie rufen die Motive der Mittel auf, stellen sie untereinander und vergleichen sie mit dem Krankheitsmotiv.

Die eben vorgestellte Strategie unterstützt die neutrale Position der TherapeutInnen, geht es doch darum, sich aus dem Patienten oder der Patientin möglichst herauszuhalten. Stets gilt es nämlich zu bedenken, dass Menschen im Zuge ihrer Kommunikation von sich auf andere schließen. Für die therapeutische Analyse ist dies schädlich, weil man sich damit unfreiwillig zum Maßstab für Normalität macht.

 

Im nächsten Artikel wird es um weitere Tücken und Schwierigkeiten gehen, denen man im Umgang mit Krankengeschichten und Repertorien begegnet.

 

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