Wie symptom & sense funktioniert: Die Logik der menschlichen Software:

Die Software symptom & sense ist ein Programm, mit dem man die Krankheitsbotschaft entschlüsseln kann. Nachfolgend möchte ich zeigen, wie es möglich war, den Computer fruchtbar in dieses Unterfangen einzubinden.

Die Funktion des Programmes beruht auf der zwingenden Logik, dass in einem informatisch strukturierten Körper, in dem Symptome Bedeutung haben, Krankheit ein innerer Widerspruch sein muss.

  • Die voraussetzende Grundannahme ist also, Symptome sind Botschaften des Körpers, deren Bedeutung sich aus der Lokalisation am/im Körper ergibt.  

Diese Annahme entstammt der symbolischen Medizin. Ihre bekanntesten Vertreter sind Luise Hay und Rüdiger Dahlke. Natürlich ist allein die Aussage bestimmter Autoren kein Beweis. Die eigentliche Bestätigung liefert die Praxis am Patienten, wenn sich Krankengeschichten und „Symptomenerzählungen“ decken.

Diese Symptomenbotschaften in einer für die Homöopathie ausreichenden Qualität zu erhalten, gelang mir nicht sofort. Beim ersten Versuch, 1997, setzte ich R. Dahlkes Krankheit als Symbol direkt um, beim zweiten, 2000, wich ich von der „Kopfperspektive“ dieses Buches ab. Ausgehend von der Perspektive des Unterbewusstseins (= des Körpers), die der des Bewusstseins (= des Kopfes) diametral gegenüber steht, ergab sich die erhoffte Deckung der Symptomenbedeutungen mit den Krankengeschichten. Auch hier erfolgte kein sofortiger Durchbruch sondern ein jahrelanges Vorantasten über positive Praxiserfahrungen.

  • Die erste Ergänzung zur Grundannahme der symbolischen Medizin war, Krankheitssymptome sind nicht nur lokale Mitteilungen, sie verweisen auch über verbessernde und verschlimmernde Umstände auf eine innere Dynamik.

Unter verbessernden und verschlimmernden Umständen (Modalitäten) verstehe ich Einflüsse, die den Zustand eines Menschen verbessern oder verschlimmern. Es handelt sich also um Reize, deren Wirksamkeit eine spezifische Reizbarkeit voraussetzt. Wenn also Kälte ein Symptom verschlimmert, muss Kälteempfindlichkeit vorliegen.

Diese Abfolge von Reiz und Reizbarkeit gleicht einem Schloss-Schlüssel-System und verweist auf ein dynamisches Geschehen.

  • Schloss und Schlüssel, Reiz und Reizbarkeit müssen zusammenpassen. Das bedeutet, nicht nur die Symptome (die Reaktion auf den Reiz) hat Bedeutung, auch der Reiz selbst hat sie in Form seiner reaktionsauslösenden Qualität.

Was ist hier dynamisch? Nun kommt wieder die praktische Erfahrung am Patienten ins Spiel. Wenn Kälte bei einem Patienten ein bestimmtes Symptom verschlimmert, beim anderen aber verbessert, bedeutet dies, dass beide Patienten ein und denselben Reiz verschieden interpretieren.

Vergleicht man nun Patienten mit Kältebesserung und Patienten mit Kälteverschlimmerung, stellt sich folgendes heraus.

Menschen mit Kältebesserung fühlen sich durch soziale Nähe bedrängt, Menschen mit Kälteverschlimmerung fühlen sich auf soziale Nähe angewiesen.

Somit verweist die Reaktion eines Menschen auf Kälte auf seinen Umgang mit sozialer Nähe. Diejenigen, die Kältebesserung haben, fliehen sie, sie scheuen soziale Nähe, die, die Kälteverschlimmerung haben, suchen sie in Form von Wärme (sie wird als soziale Nähe interpretiert).

  • Die dynamische Logik eines Menschen wird also aus seiner Reaktion ersichtlich. Auf diesem Zusammenhang beruht meine Behauptung, dass sich die Dynamik eines Menschen über die Modalitäten seiner Symptome zeigt.

Ich fasse zusammen, die Bedeutung eines Symptoms leitet sich nicht nur aus der Lokalisation sondern auch aus der Art des auslösenden Reizes ab.

Nun zur Grundannahme, auf der die Programmfunktion fußt. Sie ergibt sich logisch aus dem oben gesagten, dass nämlich Symptome eine Dynamik haben.

  • Ich gehe davon aus, dass Krankheit ein innerer Widerspruch ist, der sich in einander widersprechenden Symptomen also widersprüchlicher Dynamik spiegelt?

Es geht hierbei um die Frage, warum hört nur ein Symptom nicht aber die Krankheit auf, wenn zum Beispiel Kälteverschlimmerung durch Wärmeanwendung aufgehoben wird?

Die Antwort lautet, jedes Symptom steht für nur einen einzelnen Anspruch. Eine Krankheit besteht immer aus einer Summe von Symptomen, also aus vielerlei Ansprüchen. Die Erfahrung am Patienten zeigt, dass innerhalb jeder Krankheit Symptome einander dynamisch widersprechen. Ist ein Anspruch erfüllt, ist der andere genau dadurch nicht erfüllt.

  1. B.: das kranke Kind hat wohl Wärmebesserung bei seinem Ohrschmerz, was auf einen Wunsch nach sozialer Nähe verweist, gleichzeitig aber deckt es sich in der Nacht ab, was wiederum auf ein Problem mit sozialer Nähe verweist. Es geht um Gefühle des Bedrängtseins durch die Bedingungen sozialen Schutzes. Die Decke symbolisiert wie die Kleidung, dass man Einschränkungen in Kauf zu nehmen hat, um Schutz zu erfahren.

Dieser Widerspruch zeigt das systemimmanente  Grundproblem des Erwachsenwerdens. Dass das Kind einerseits soziale Geborgenheit wünscht, dass es sich jedoch von der Gegenleistung, Anpassung an ein herrschendes  Regelwerk, überfordert fühlt.

Somit erscheint ein unlösbarer innerer Widerspruch.

  • Zusammenfassung: Die Krankheitslogik folgt nicht der Vernunft sondern der Emotionalität, die im Unterbewusstsein verankert ist. Die Krankheitsreaktion bedient sich der Symptomensprache und ihrer Grammatik. Sie besagt, bei einer Krankheit geht es nicht nur um einen einzelnen verschlimmernden Faktor, der leicht vermieden werden kann, sondern um die widersprüchliche Haltung eines Menschen zu einem sozialen Thema. Krankheit bricht nicht aus, wenn die Realität im Widerspruch zur Haltung steht, sondern wenn diese Haltung in sich widersprüchlich, also mit der Realität unvereinbar ist. Der Betroffene fühlt sich gleichzeitig abgestoßen wie auch angezogen, möchte sich verweigern aber kann es aus Abhängigkeit nicht etc.. Diese Widersprüchlichkeit wird durch die Aussagen entsprechend widersprüchlicher Symptome  (Reizantworten) mitgeteilt.

symptom & sense ist in der Lage, die Sprache der Symptome zu übersetzen und das Krankheitsmotiv bzw. den Krankheitswiderspruch daraus abzuleiten. 

Wie geht das? Jedes der 7000 Symptome, auf die und deren Texte sich das Programm bezieht,  entstammt meinem Buch Menschliche Signaturen und ist dynamisch zugeordnet. Das Programm wertet nun die Symptomensammlung, das sind die Symptome eines Falles, die vom Anwender in das Programm eingetragen wurden, nach der oben beschriebenen Widersprüchlichkeit aus.

Das bedeutet, die einander widersprechenden Symptome werden programmseitig paarweise untereinander gestellt. Die Reihung erfolgt nach der Keimblattebene der Lokalisation der Symptome (siehe P. Vijayakar, Buch: Die Gesetzmäßigkeit der Miasmen).

Aus den Texten der Symptomenpaare ergibt sich der Krankheitswiderspruch. Das innerhalb des dominierenden Themas zuoberst stehende Paar ist das ranghöchste und stellt den Kern der Krankheitsbotschaft dar.

Graphik: jeder Pfeil steht fürein Symptom und seine Dynamik.

Artikel S&S 2

 

Auf die im Grunde einfachen Regeln der Auswertung – es geht um die Dominanz eines Themas und die Rolle des Hauptsymptoms – gehe ich hier nicht ein, ich werde sie in einem späteren Artikel vorstellen.

Viele alternative Therapieformen können die Krankheitsbotschaft nutzen.

Homöopathen verwenden die Symptome des ranghöchsten Symptomenpaars und der nachfolgenden Paarungen zur Repertorisation. Sie müssen dazu nicht mal die  Krankheitsbotschaft übersetzen. Allerdings, letztere kann nützliche Hinweise geben, wenn es um die Mittelwahl geht.

  • Keines der hier vorgestellten Prinzipien widerspricht dem Organon, die Regeln der klassischen Homöopathie werden also nicht verletzt: siehe dazu Was symptom & sense kann bzw. nicht kann. Artikel 1.: Fehler der homöopathischen Erhebung. Der Artikel findet sich in diesem Blog. 

Philipp Zippermayr

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