Was die Software symptom & sense – vom Krankheitszeichen zum Krankheitssinn – kann bzw. nicht kann: Artikel 2.

Mängel, Fehler, Strukturprobleme  homöopathischer Repertorien  bzw. Orientierungsprobleme im Repertorium können nicht kompensiert werden:

Der erste Artikel dieser zweiteiligen Serie über die Anwendung der Software, symptom & sense, in der Homöopathie hatte den Titel, Fehler der homöopathischen Erhebung als limitierende Einflüsse bzw. das Organon kann nicht außer Kraft gesetzt werden. Es  ging um die Erhebung eines Falles nach den Regeln S. Hahnemanns.  In diesem Artikel sollen Probleme unseres Repertoriums Gegenstand der Erörterung sein.

Einleitend halte ich fest, die Software symptom & sense ist ein Fortschritt für die Verschreibung des passenden homöopathischen Arzneimittels, sie kann aber die nachfolgend beschriebenen Mängel der Repertorien nicht kompensieren, soll heißen, keine Wunder vollbringen (siehe unten Repertoriumsprobleme).

Wo liegt nun der Fortschritt der Software? Nach Eintrag der fallrelevanten Symptome erstellt das Programm ein oder mehrere komplementäre Symptomenpaare (Paare aus einander widersprechenden Symptomen). Die Reihung der Paarungen (= Hierarchisierung)  folgt einem vorgegebenen Pfad:

Programmseitig wird die Position einer Paarung nach der Keimblattebene, auf der sich ihre Symptome befinden, erstellt. Anwender sehen eine Reihe untereinanderstehender Paarungen. Die zuoberst stehende Paarung muss nicht die wichtigste sein. Entscheidend ist vor allem die dominierende Thematik (das Programm zeigt diese durch Farbzuordnungen an) und das Hauptsymptom, das innerhalb dieser dominierenden Thematik vertreten sein sollte. Das Hauptsymptom hat den Kranken veranlasst, in die Praxis zu kommen. Meist beschreibt seine Botschaft den Kern des Krankheitsthemas.

Die Übersetzung der Bedeutung von Paarungen aus einander widersprechenden Symptomen ist das Resultat meiner Krankheitstheorie, sie lautet:  wenn die Welt aus Energie und Information besteht, haben Symptome Bedeutung. Krankheit kann somit kein materieller Defekt sondern nur ein unlösbarer innerer Widerspruch sein.

Das bedeutet: Krankheit spiegelt sich in einander widersprechenden Symptomen. Aus diesen bildet das Programm komplementäre Symptomenpaare, die die Krankheitsbotschaft enthalten. Eine leicht verständliche Erklärung hierzu bietet das Youtube Video,

der Fall Napoleon  https://www.youtube.com/watch?v=Jg0FtRbj8x8 .

Nutzen für die homöopathische Hierarchisierung: Die Symptome der ranghöchsten komplementären Symptomenpaare werden der Reihe nach zur Repertorisation genutzt. Nun zu den…

Repertoriumsproblemen, die im Rahmen dieser Software nicht kompensiert werden können:

Stellen Sie sich vor, Sie haben einige sichere Krankheitssymptome in Ihrem Krankenblatt stehen und machen sich nun daran, diese in Repertoriumsrubriken zu übersetzen. Woran kann die spätere Auswertung der ausgesuchten Rubriken scheitern, warum erscheint das passende Arzneimittel nicht?

Zwei einfache und logische Gründe sind:

  1. in einer der gewählten Repertoriumsrubriken fehlt das passende homöopathische Arzneimittel, obwohl es dastehen müsste.

Z.B.: das Arzneimittel ist zu „klein“, weil der Arzneimitteltest zu wenig Symptome aufweist: große Mittel (pulsatilla, sepia, sulfur usw,) haben 10 000 -16 000 Symptome, kleine (rumex, syphilinum usw.) unter 2000. Gegen diese großen Arzneimittel haben kleine keine Chance, sich statistisch „durchzusetzen“.

  1. die passende Rubrik wurde nicht gefunden bzw. eine falsche gewählt: limitierte Kenntnis des Repertoriums bzw. macht es einen großen Unterschied, ob man „Gemüt – Erwartungsspannung – Lampenfieber“ (40 Mittel) oder „Gemüt – Angst – Zeit festgesetzt ist; wenn eine“ (24 Mittel) wählt.
  2. Strukturprobleme der Repertorien:

Punkt 1. und 2.  bedürfen keiner näheren Erläuterung. Anders verhält es sich mit

  1. Strukturproblemen der Repertorien:
  2. Sprachprobleme bei der Symptomendarstellung: Verstehen wir die Beschreibung eines Symptoms tatsächlich so, wie sie der Autor, der die Repertoriumsrubrik erstellt hat, verstanden wissen will?

Die Liste der Sprachschwierigkeiten ist im Grunde endlos und betrifft vornehmlich die Gemütssymptome. Sie sind stets die gefährlichsten, weil sich in unserem Sprachverständnis unsere Sensibilität,  das, was uns bewegt, spiegelt. Unbewusst richtet sich daher unsere Aufmerksamkeit auf das, was uns unmittelbar betrifft, was wir als schockierend oder unakzeptabel empfinden. Danach richtet sich die Auswahl der Gemütssymptome:

Zum Beispiel:

  • Natrium arsenicosum ist ein Mittel das manchmal bei Menschen, die von ihren Partnern betrogen worden waren, indiziert ist. Hier ist festzuhalten, dass eine offensichtliche Ursache – hier Betrug – ein zu verschreibendes Mittel nicht anzeigt, da man nicht wissen kann, ob die Reaktionen des Patienten in genau dieser Begrifflichkeiten fußen. Stets besteht für Therapeuten die Gefahr, der eigenen Empfindsamkeit zu folgen. Möglicherweise interpretieren Sie die Reaktion des Patienten in ihrem Sinne und übersehen, dass es nicht um Sie sondern um ihre Patienten geht.

Im allgemeinen ist man sehr rasch geneigt, dem Patienten „logisch“ erscheinende Gemütsbewegungen zu unterstellen. Im Falle von Treuebruch z. B. Entrüstung. Unser obiges Mittel, Natrium arsenicosum, findet sich weder unter Entrüstung noch unter Beschwerden durch Entrüstung dafür aber unter Beschwerden durch Zorn.

Wir können nun über den begrifflichen Unterschied von Zorn über Untreue und Entrüstung über Untreue philosophieren, ein praxistaugliches Ergebnis schaut dabei nicht raus. Dieses Problem ist unlösbar und der Grund, weshalb ich Vorbehalte gegen Gemütssymptome habe.

  • Wie sich begriffliche Probleme ergeben, zeigt sich beim Vergleich zweier Rubriken aus der Riege der Gemütssymptome des Synthesis-Repertoriums 9.1:

 Unternimmt; unternimmt vieles, hält aber nicht durch hat 40 Mittel;

 Ausdauer; hat keine hat 15 Mittel;

Von den Mitteln beider Rubriken decken sich nur 9, sind also in beiden vorhanden. Ich würde erwarten, dass wenigstens in einer der beiden Rubriken alle in Frage kommenden Mittel stehen.

·       Angst kontra Furcht: ich halte die Trennung von Angst- und Furchtrubriken für tückisch. Die Tatsache, dass die beiden Begriffe in der Umgangssprache bedeutungsgleich verwendet werden, sollte in der Praxis mehr zählen als die Tatsache, dass Angst und  Furcht per Definition tatsächlich unterscheidbar sind.

Ein ähnliches Beispiel verwirrender Gebrauchsüblichkeit ergibt sich bei Bewusstlosigkeit und Ohnmacht.

Diese Trennungen sind letztlich kein großes Problem, schlimmer sind die

Probleme außerhalb der eben diskutierten Begrifflichkeit:

  • bedeutungsähnliche Rubriken mit verschiedenen Mitteln: Im Synthesis 9.1. finden wir die beiden Rubriken, Bewusstlosigkeit, partiell, teilweise (15 Mittel) und Bewusstlosigkeit, unvollständig (16 Mittel). Eine Unterscheidung ist hier unmöglich. Das eigentliche Problem dabei ist, die beide Rubriken haben zusammengezogen 29 Mittel, es kommen also in beiden Mittel vor, die nur in der einen Rubrik nicht aber in der anderen stehen.  Ich verwende Synthesis 9.1 und habe in den letzten 15 Jahren (ab Synthesis 7) extrem viele Nachträge gemacht, was die Lage etwas verbessert hat. Z. B. haben bei mir die beiden oben genannten Bewusstlosigkeits-Rubriken jeweils 29 identische Mittel.
  • Verschiedenheiten der Repertorien, z. B. Complete und Synthesis: Meiner Erfahrung nach werden Repertorien wohl ständig ergänzt, summa summarum können Sie aber sicher sein, das gewählte Repertorium und die gewählte Rubrik haben entscheidenden Einfluss auf die Repertorisation und damit die Wahl eines passenden oder unpassenden Mittels, dem auch ich als Entwickler und Kenner der Lage bedauerlicherweise unterliege. Das Programm symptom & sense schlägt Rubriken vor, in welchem Zustand diese sind, ist eine andere Frage.
  1. Problem Spezialsymptome kontra Allgemeinsymptome: Es geht um die natürliche Annahme, dass die Allgemeinrubriken des Repertoriums  alle Mittel der jeweiligen  Spezialrubriken haben.

Im Synthesis-Repertorium 9.1 findet sich im Abschnitt, Kopf, die Rubrik, Kopf, Tumoren, Gehirn, mit 19 Mitteln, im Abschnitt, Allgemeinsymptome, sehen wir die entsprechende Rubrik, Allgemeines, Tumoren, Hirntumor, mit diesmal 26 Mittel. Dabei überrascht, dass nur 7 der insgesamt 38 Mittel identisch sind. Ich meine, es sollten in beiden Rubriken 38 identische Mittel sein. Ich habe das in meinem Repertorium in diesem Sinne korrigiert, gut möglich, dass dies im neueren Synthesis auch der Fall ist. Sehen Sie bitte nach.

Egal, ob Sie jemals symptom & sense verwenden wollen, diese Nachträge an den Allgemeinrubriken sollten Sie für alle wichtigen Modalitäten durchführen. Meine hier referierten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 2009, ich hoffe, dass es inzwischen besser geworden ist, dass Sie also weniger als ich zu tun haben.

  1. Problem ähnlicher Rubriken mit verschiedenen Arzneimitteln:

Haut, Geschwüre, indolente Geschwüre (87 Mittel) und Haut, Geschwüre, schmerzlose Geschwüre (61 Mittel: zusammen 114 Mittel, in beiden Rubriken sind nur 34 gemeinsame zu finden (Synthesis 9.1);

  1. Problem der Zuverlässigkeit der Rubriken des Repertoriums:

Es gibt, und das ist eine unausgesprochene Tatsache, keine einzige verlässliche Rubrik. Haben wir also am Patienten ein auffälliges Symptom, dem auch eine Repertoriumsrubrik entspricht, dürfen wir nicht mal bei großen Rubriken über 100 damit rechnen, dass das zum Patienten passende Mittel in der gewählten Rubrik auch vorhanden ist. Dies ist leider eine natürliche Folge der Tatsache, dass der Körper als informatisches System beliebig viele Erscheinungen (Symptome) produzieren kann.

Dazu kommt noch, dass die Repertorien in sich inhomogen sind. Vergleicht man im Synthesis 9.1 die Rubrik, Allgemeines, Schmerzen, chronisch mit Allgemeines, Schmerz, rheumatisch, chronisch, zeigt sich:.

Allgemeines – Schmerz – rheumatisch – chronisch anthraco. bell. carbn-s. Caust. coli. euon-a. get. ichth. iod. kali-bi. led. lith-c. mag-p. Med. nat-s. petr. phyt. ran-b. rhod. sep. Stel. still. syph. tax. tub-d. vanad.

Allgemeines – Schmerz – chronisch Arn. kreos. Phos. sulph. thlas. thuj. vib.

Die Spezialrubrik (rheumatisch) ist grösser als die Allgemeinrubrik (Schmerz chronisch).

Achtung! Synthesis und Complete haben beide Vor- und Nachteile, sind also in der Summe als ungefähr gleich gut zu bewerten. Ich nutze primär Synthesis, weshalb es hier auch öfter genannt ist. Beide sind in den neueren Varianten auch verbessert, keinesfalls aber frei von Fehlern. Ganz allgemein überkommt einem bei der Arbeit mit Repertorien der Wunsch, sie beim Fenster hinauszuwerfen. Das sollte man jedoch unterlassen, weil wir sogleich hinunterlaufen und sie wieder heraufholen müssten.

Fazit: Das Programm symptom &sense kann sehr wohl die am besten passenden Rubriken zur Repertorisation empfehlen, es kann aber nicht für die unterschiedlichen Resultate verantwortlich gemacht werden! Das gilt auch für mich als Entwickler. Ich verschreibe derzeit auf einem deutlich verbesserten persönlichen Niveau, ich verschreibe aber keinesfalls fehlerfrei und erkläre in diesem Artikel, warum. 

  1. Problem der Qualität der Arzneimitteltests:
  • Problem zu geringer Symptomenanzahl:

In unseren Repertorien finden wir Mittel mit über 10 000 Symptomen und andere mit weniger als 10. Das hat zur Folge, dass sich bei allen Analysen die großen Arzneimittel unangenehm „vordrängen“ während die kleinen in stiller Bescheidenheit untergehen. Es wäre schön, wir bekämen nicht andauernd neue Arzneimittel vorgesetzt sondern aus dem Gesamtbestand des Vorhandenen würden wenigstens die 500 wichtigsten Mittel (natürlich, wer bestimmt die?) zumindest 2000 Symptome haben.

  • Problem einer „schiefen“ Symptomenverteilung:

Von manchen Arzneimitteln des Repertorums finden sich nur Gemütssymptome und Allgemeinsymptome, manche wiederum haben fast keine Gemütssymptome andere wieder nur diese. Meiner Meinung nach sollten Gemütssymptome und Allgemeinsymptome zusammen nicht mehr als 50%  des gesamten Symptomenbestands ausmachen.

Bedenken Sie, das sind nur beliebige Beispiele. Das Repertorium wimmelt von diesen Mängeln und Unregelmäßigkeiten, sie folgen der homöopathischen Repertorisation wie ein Schatten. Ich hab diese Probleme schon mal 2009 (Buch: Krankheit verstehen) veröffentlicht und danach aufgehört, sie im Zuge meiner Arbeit mitzuschreiben.  

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